TITEL, ZUSAMMENFASSUNGEN, AUTOREN UND SCHLÜSSELWÖRTER DER BEITRÄGE AB AUSGABE 1/2010
 
1/2010

Potentiale des DGB-Index Gute Arbeit für die betriebliche Anwendung und arbeitswissenschaftliche Forschung Replik auf den Artikel von G. Richenhagen und J. Prümper in der ZfA 2/2009

Der DGB-Index Gute Arbeit und seine Kritiker

Welches Gewicht hat das Urteil der Beschäftigten über die Arbeitsbedingungen? Zur arbeitspolitischen Bedeutung des DGB-Index Gute Arbeit

Zur Ableitung bedingungsbezogener Aussagen mit dem DGB-Index Gute Arbeit

Arbeitsbedingungen in Deutschland – Nutzen und Risiken der Verwendung von Befragungsinstrumenten sowie abgeleiteten Indices

Zum wissenschaftlichen und politischen Anspruch des DGB-Indexes Gute Arbeit

Zukunftsfähige Arbeit als Herausforderung: Situationsanalyse und Anforderungen an eine Definition

Gründung der Sektion „Arbeitswissenschaften“ an der Technischen Universität Dresden (Völker 1969)
 

2/2010 Effizienzsteigerung durch die Bewegungsanalyse und -modellierung  der Mensch-Roboter-Kooperationen

Funktionale Analyse und Modellierung der zielgerichteten Armbewegung

Übersicht zur Modellierung menschlicher Bewegungen am Beispiel des Ein- und Ausstiegs bei Automobilen

Feldmesssystem CUELA zur Langzeiterfassung und -analyse von Bewegungen an Arbeitsplätzen

Untersuchung des Einflusses von Scharfkantigkeit und Fügekraft auf Fügezeit und muskuläre Beanspruchung während der Clipsarbeit

Diskussionsbeitrag zur Thematik „Parallelentwicklungen in der DDR zur „Humanisierung des Arbeitslebens“ (HdA)“ in der Zeitschrift für Arbeitswissenschaft 02/2009 (Beiträge von Arendt, Hartig/Szewcyk und Kupfer, Seite 157 – 165)
 

3/2010

Altersheterogenität und Gruppeneffektivität – Die moderierende Rolle des Teamklimas

Alters-, Geschlechts- und „Tenure“-diversität in Verwaltungsteams – Erklären Faultlines mehr Varianz bei Teamkonflikten und Burnout als traditionelle Diversitätsindikatoren?

Berufsaltersbedingte Veränderungen im Umgang mit belastenden Unterrichtsepisoden

Veränderungen der Einstellungen zur Arbeitstätigkeit in Abhängigkeit vom Alter - erste Ergebnisse einer Längsschnittuntersuchung durchgeführt in zwei Automobilunternehmen

Tätigkeitsbezogene Analyse körperlicher Fähigkeiten von jüngeren und älteren Beschäftigten in der Produktion

Fähigkeitsgerechte Prozessmodellbausteine zur Generierung altersdifferenzierter Beanspruchungsprofile

Simulationsunterstützte Leistungsabstimmung von Montagesystemen unter dem Aspekt einer alternden Belegschaft

Können Ältere mit neuen Medien lernen? Gestaltung und Evaluation eines e-Learning Behavior Modeling Trainings für verschiedene Altersgruppen

Altersdifferenzierte Untersuchung von Visualisierungstechniken zur Unterstützung der direkten Manipulation von Netzplänen

Anpassung an visumotorische Transformationen unter indirekter Sicht in frühem und spätem Erwerbsalter
   

4/2010 Menschliche Statur, Gesundheit und Arbeitsplatzgestaltung. Ein ethisches Dilemma

Berücksichtigung der Haltung des Oberkörpers bei der Beurteilung von Ganzkörper-Schwingungen

Analyse von Hebe- und Tragetätigkeiten im Möbelspeditionsgewerbe unter besonderer Berücksichtigung der Belastung der Lendenwirbelsäule

Deutschsprachige Fragebögen zur Usability-Evaluation im Vergleich

Die Hierarchische Aufgabenanalyse im Babel interdisziplinärer Softwareentwicklungsprojekte

Entwicklung eines Instruments zur stressbezogenen Arbeitsanalyse für Klinikärztinnen und -ärzte (ISAK)

Ist die Wirkung lernförderlich gestalteter Arbeitsaufgaben altersabhängig?

Arbeitszeit für die alternde Belegschaft - “Lessons learned“ aus dem Forschungsprojekt KRONOS
     

Ausgabe 1/2010

Potentiale des DGB-Index Gute Arbeit für die betriebliche Anwendung und arbeitswissenschaftliche Forschung Replik auf den Artikel von G. Richenhagen und J. Prümper in der ZfA 2/2009

Autor: Tatjana Fuchs


Der DGB-Index Gute Arbeit und seine Kritiker

Autoren: Arno Georg, Uwe Dechmann und Gerd Peter


Welches Gewicht hat das Urteil der Beschäftigten über die Arbeitsbedingungen? Zur arbeitspolitischen Bedeutung des DGB-Index Gute Arbeit

Autoren: Yasmin Fahimi, Holger Kloft, Klaus Pickshaus und Hans-Joachim Schulz


Zur Ableitung bedingungsbezogener Aussagen mit dem DGB-Index Gute Arbeit

Autoren: Stephan Sandrock und Sascha Stowasser


Arbeitsbedingungen in Deutschland – Nutzen und Risiken der Verwendung von Befragungsinstrumenten sowie abgeleiteten Indices

Autor: Norbert Breutmann


Zum wissenschaftlichen und politischen Anspruch des DGB-Indexes Gute Arbeit

Autoren: Karl Ulrich Lippoth und Manfred Schweres


Zukunftsfähige Arbeit als Herausforderung: Situationsanalyse und Anforderungen an eine Definition

Autor: Klaus J. Zink

Schlüsselwörter: Megatrends, zukunftsfähige Arbeit, Gestaltungskonzepte, Handlungsbedarf

Zusammenfassung

Veränderte Rahmenbedingungen vielfältiger Art werden die Bedingungen für Arbeit immer wieder verändern. Dabei stellt sich – auch unter normativen Aspekten – die eher rhetorische Frage, ob und inwiefern diese Veränderungen als „zwanghaft“ (z. B. als Folge der sog. Globalisierung) akzeptiert werden, oder ob die Anforderungen an eine „zukunftsfähige“ Arbeit als Grundlage für Gestaltungskonzepte explizit zu formulieren sind. Im folgenden Beitrag werden zunächst die internationalen Megatrends aufgearbeitet, um dann zu einer definitorischen Grundlage für die Zukunftsfähigkeit von Arbeit zu kommen. Dies erfordert sowohl eine Auseinandersetzung mit dem Begriff „Zukunftsfähigkeit“ als auch mit dem Verständnis von „Arbeit“.

Praktische Relevanz

Die Veränderung der Rahmenbedingungen für Arbeit, aber auch der Arbeitsformen erfordert eine Diskussion, ob diese Entwicklung als „gegeben“ hingenommen werden muss, oder ob Politik, Tarifparteien und Wissenschaft sich diesen Herausforderungen nicht gemeinsam stellen müssen. Dieser Beitrag liefert eine Grundlage für eine offensive Auseinandersetzung mit dieser Thematik.


Gründung der Sektion „Arbeitswissenschaften“ an der Technischen Universität Dresden (Völker 1969)

Autor: Manfred Schweres
 


Ausgabe 2/2010

Effizienzsteigerung durch die Bewegungsanalyse und -modellierung  der Mensch-Roboter-Kooperationen

Autor: Dino Bortot, Hao Ding, Fabian Günzkofer, Dominik Stengel,. Klaus Bengler, Frank Schiller, Olaf Stursberg3

Schlüsselwörter: Bewegungserfassung, Bewegungsmodellierung, Mensch-Roboter-Kooperation, Effizienz, Sicherheit

Zusammenfassung

Um die Mensch-Roboter-Kooperationen nicht nur sicher, sondern auch effizient zu gestalten, sollen Modelle über das menschliche Bewegungsverhalten in die Robotersteuerung integriert werden. Diese sollen den weiteren Verlauf einer Bewegung des Nutzers prädizieren und somit dazu führen, dass bei der Planung der Trajektorien für den Roboter ein ausreichend sicherer Abstand zwischen den beiden Interaktionspartnern gewährleistet wird, indem der voraussichtlich durch den Menschen belegte Raum berücksichtigt wird. Zur Erstellung der Modelle müssen typische Bewegungen des Menschen erfasst und in der Folge analysiert werden.

Praktische Relevanz

Mensch-Roboter-Kooperationen zeichnen sich dadurch aus, dass sich die beiden Kooperationspartner gegenseitig ergänzen und Schwächen des einen Partners durch entsprechende Stärken des zweiten Partners ausgeglichen werden. Beispielsweise lässt sich durch die Übernahme eines Lastgewichts durch einen Roboter und eine damit einhergehende Entlastung des Mitarbeiters die Ergonomie des Arbeitsplatzes deutlich verbessern. Gleichzeitig lässt sich über die kooperative Interaktion die Effizienz des Gesamtsystems steigern.


Funktionale Analyse und Modellierung der zielgerichteten Armbewegung

Autor: Thomas Alexander

Schlüsselwörter: Digitale Menschmodelle, Funktionale Datenanalyse, Bewegungsmodellierung, Bewegungsvarianz, Fitts‘ Law

Zusammenfassung

In der Arbeitsplatzgestaltung werden heute digitale Menschmodelle eingesetzt, die zwar Körpermaße und –haltungen weitgehend valide abbilden, jedoch Haltungsänderungen oder Bewegungsvarianzen nur unzureichend berücksichtigen. Auf der Basis empirischer Bewegungsdaten aus Motion-Capture Experimenten wird ein alternativer Ansatz abgeleitet, der Verfahren der funktionalen Datenanalyse (FDA) zur Beschreibung und Modellierung des zentralen Trends und der Varianz von Bewegungen einsetzt. Der Ansatz wird exemplarisch für zielgerichtete Armbewegungen an einem Konsolenarbeitsplatz einer Leitwarte eingesetzt.

Praktische Relevanz

Bei der ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung gilt es, neben den Körpermaßen und ‑haltungen auch Bewegungen zu berücksichtigen. Diese sind aufgrund der Vielzahl an Freiheitsgraden des kinematischen Systems und der vielen Parameter der beteiligten Komponenten des Bewegungsapparats durch große Streuung und Varianz charakterisiert. Ziel ist, dem Arbeitsplatzgestalter durch den geschilderten Ansatz eine Möglichkeit und ein Werkzeug zu bieten, die Bewegung und ihre Varianz bei der Arbeitsplatzgestaltung einzubeziehen.


Übersicht zur Modellierung menschlicher Bewegungen am Beispiel des Ein- und Ausstiegs bei Automobilen

Autor: Olaf Sabbah, Heiner Bubb, Klaus Bengler

Schlüsselwörter: Bewegungserfassung, Bewegungsmodellierung, Bewegungsstrategien, Digitale Menschmodelle, Inverse Dynamik, Dynamischer Diskomfort, Ein- und Ausstieg

Zusammenfassung

In diesem Artikel wird ein Überblick über die Forschungsansätze zur Modellierung menschlicher Bewegungen am Beispiel der Ein- und Ausstiegsbewegungen bei Automobilen beschrieben. Dazu werden zunächst die abgeleiteten Bewegungsstrategien insbesondere bei Ein- und Ausstiegsvorgängen erläutert, um anschließend aufkommende Gelenkwinkel und -kräfte zu bestimmen. Hierbei wird der Ansatz der Krafthaltungsmodellierung zur Diskomfortbestimmung verfolgt, um menschliche Bewegungen vorhersagen zu können.

Praktische Relevanz

Die Anwendung von digitalen Menschmodellen in einer frühen Produktentwicklungsphase zur Darstellung ergonomischer Anforderung ist bereits weit verbreitet. Bisher beschränken sich die Anwendungen allerdings meist auf statische Untersuchungen, wie Sitzhaltungsuntersuchungen oder Erreichbarkeiten. Die Weiterentwicklung von menschlichen Bewegungsmodellen bietet hierzu die Möglichkeit, menschliche Dynamik mit zu berücksichtigen. Aufbauend auf den Erkenntnissen der getätigten Ein- und Ausstiegsuntersuchungen wurde ein Prototyp eines mechatronischen Unterstützungssystems für den Ein- und Ausstieg entwickelt und evaluiert.


Feldmesssystem CUELA zur Langzeiterfassung und -analyse von Bewegungen an Arbeitsplätzen

Autor: Rolf Ellegast, Ingo Hermanns und Christoph Schiefer

Schlüsselwörter: CUELA-Messsystem, physische Belastungen, Feldeinsatz, Belastungsprofile von Arbeitsschichten, Bewegungsanalyse

Zusammenfassung

Die mobile Erfassung und Bewertung physischer Arbeitsbelastung an Arbeitsplätzen ist notwendig, um Risiken für arbeitsbezogene Muskel-Skelett-Erkrankungen einschätzen zu können. Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) und die Präventionsdienste der Unfallversicherungsträger setzen seit mehreren Jahren das Messsystem CUELA (Computer unterstützte Erfassung und Langzeit-Analyse von Belastungen des Muskel- Skelettsystems) direkt an Arbeitsplätzen ein, um Profile der physischen Arbeitsbelastung über eine Arbeitsschicht auch bei komplexen Arbeitsvorgängen zu erfassen. Das Erkennen von Belastungsschwerpunkten im Arbeitsprozess sowie die genaue Quantifizierung der belastungsreduzierenden Wirkung von ergonomischen Arbeitsgestaltungsmaßnahmen sind durch die Analyse der CUELA-Messdaten einfach möglich. Der Artikel gibt eine Übersicht zum aktuellen technischen Stand des Messsystems. Die Anwendung am Arbeitsplatz wird anhand von Beispielen verdeutlicht.

Praktische Relevanz

Arbeitsbedingte Muskel-Skeletterkrankungen (MSE) ver­ursachen hohe direkte (Kosten der Krankheitsbehandlung) und indirekten Kosten (Produktivitätsausfall durch Arbeitsunfähigkeit) und sie führen seit Jahren die Statistiken der Arbeitsunfä­higkeitstage (AU-Tage) nach Diagnosegruppen an. Die genaue Kenntnis von arbeitsbezogenen Risikofaktoren ist für eine zielgerichtete Prävention notwendig. In diesem Zusammenhang sind Messungen physischer Belastungsfaktoren unerlässlich.


Untersuchung des Einflusses von Scharfkantigkeit und Fügekraft auf Fügezeit und muskuläre Beanspruchung während der Clipsarbeit

Autor: Hamed Salmanzadeh, Marianela Diaz Meyer, Verena Bopp, Kurt Landau, Ralph Bruder

Schlüsselwörter: Delikate Objekte, Scharfkantigkeit, Clipsverbindung, Fügekraft, Fügezeit, EMG

Zusammenfassung

Diese Studie befasst sich mit der Untersuchung des Einflusses der Kontaktbedingungen der Clipsverbindungen, insbesondere bei einer scharfkantigen Kopfform, auf die Fügezeit, das Oberflächen-Elektromyogramm der Schulter-Arm-Hand-Muskulatur und die subjektiv empfundene Beanspruchung der Haut am Daumen der fügenden Hand. Zwei Parameter, nämlich die Fügekraft (20 N und 70 N) und die Scharfkantigkeit  (glatt und scharfkantig), wurden variiert. Insgesamt nahmen an den Versuchen 12 männliche rechtshändige Probanden im Alter von 20 bis 30 Jahre teil. Die statistische Auswertung zeigte, dass die Fügezeit für scharfkantige Clipsverbindungen länger als für glatte ist. Das Einfügen des Clips mit scharfkantiger Oberfläche wurde am Daumen unangenehmer empfunden und war mit größeren tatsächlichen Fügekräften sowie mit steigender muskulärer Beanspruchung der Thenarmuskulatur beim Fügevorgang verbunden.

Praktische Relevanz

Die Betrachtung der Clipsarbeit aus zeitökonomischer und arbeitsphysiologiescher Sicht soll Gestaltungshinweise zur Verbesserung der Produktivität und zum Erhalt der Gesundheit liefern.


Diskussionsbeitrag zur Thematik „Parallelentwicklungen in der DDR zur „Humanisierung des Arbeitslebens“ (HdA)“ in der Zeitschrift für Arbeitswissenschaft 02/2009 (Beiträge von Arendt, Hartig/Szewcyk und Kupfer, Seite 157 – 165)

Autor: Peter Haase-Rieger

 


Ausgabe 3/2010

Altersheterogenität und Gruppeneffektivität – Die moderierende Rolle des Teamklimas

Autor: Birgit Claudia Ries, Stefan Diestel, Jürgen Wegge, Klaus-Helmut Schmidt

Schlüsselwörter: Demografischer Wandel, Altersheterogenität, Gruppeneffektivität, Innovation, Burnout, Teamklima

Zusammenfassung

ltersheterogenität in Arbeitsgruppen löst nach der Theorie der sozialen Kategorisierung effektivitätsbeeinträchtigende Prozesse aus; Modelle der Informationsverarbeitung in Gruppen lassen dagegen positive Effekte erwarten. Empirische Studien liefern für beide Theorien Belege und lassen potenzielle Moderatoren der Beziehung zwischen Altersheterogenität und Gruppeneffektivität vermuten. Auf Grund der theoretisch angenommenen Prozesse, die durch zunehmende Altersheterogenität in Gruppen ausgelöst werden, dürfte das Teamklima einen solchen Moderatoreffekt ausüben. Die vorliegende Studie untersucht daher, ob das Teamklima den Zusammenhang zwischen Altersheterogenität und Gruppeneffektivität (operationalisiert über Innovationsleistungen aus zwei Beurteilungsquellen und Burnout) moderiert. Teilnehmer der Untersuchung waren 410 Mitarbeiter einer Landesverwaltung. Auf Ebene der Arbeitsgruppen (N=66) durchgeführte Regressionsanalysen bestätigen die Hypothese: In Gruppen mit einem guten Teamklima führt zunehmende Altersheterogenität zu einer Steigerung der Innovation sowie einem Abfall von Burnout, während die Zusammenhänge in Gruppen mit einem schlechten Teamklima entgegengesetzt ausfallen.

Praktische Relevanz

Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung stimmen mit der theoretischen Vorstellung überein, dass Altersheterogenität je nach Ausprägung des Teamklimas effektivitätsförderliche oder -beeinträchtigende Prozesse in der Gruppe auslöst. Folglich stellt das Herstellen eines guten Teamklimas vor dem Hintergrund zunehmender Altersheterogenität eine zentrale Führungsaufgabe dar.


Alters-, Geschlechts- und „Tenure“-diversität in Verwaltungsteams – Erklären Faultlines mehr Varianz bei Teamkonflikten und Burnout als traditionelle Diversitätsindikatoren?

Autor: Cristiane Breu, Jürgen Wegge, Klaus-Helmut Schmidt

Schlüsselwörter: Altersheterogenität, Geschlechtsheterogenität, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Faultlines, Konflikte in Teams, Burnout

Zusammenfassung

In diesem Artikel wird untersucht, ob die Bestimmung von Gruppenfaultlines (das sind hypothetische Trennlinien, die eine Gruppe basierend auf der gleichzeitigen Anordnung mehrerer Attribute in homogene Untergruppen spalten) bei der Vorhersage von emotionalen und kognitiven Teamkonflikten sowie Burnout gewinnbringend ist. Bei 58 natürlichen Vierergruppen (N = 232) aus dem Bereich der öffentlichen Verwaltung werden Faultlines auf Basis des Alters, des Geschlechts und der Dauer der Betriebszugehörigkeit der Teammitglieder berechnet. Vergleiche mit herkömmlichen Heterogenitätsindizes (Standardabweichung, Blau-Index) zeigen, dass der Faultlineansatz für kognitive Konflikte und tendenziell auch für Burnout zusätzliche Varianzaufklärung liefert. Folgeuntersuchungen sollten die Auswirkungen von Faultlines auch für andere Variablen wie z. B. Leistung und Zufriedenheit systematisch analysieren.

Praktische Relevanz

Mit Wissen um die Wirkungen von Faultlines in Teams kann die Gruppenzusammensetzung gezielt verändert werden. Damit wird es möglich, indirekt sowohl Teamprozesse zu steuern als auch die Teameffektivität zu beeinflussen. Es wurde gefunden, dass Faultlines auf Basis von Alter, Geschlecht und Dauer der Betriebszugehörigkeit insbesondere kognitive Konflikte in Teams fördern, so dass sie für die Herstellung bzw. Vermeidung solcher Konflikte in Teams ein großes Potential bieten.


Berufsaltersbedingte Veränderungen im Umgang mit belastenden Unterrichtsepisoden

Autor: Anja Philipp und Heinz Schüpbach

Schlüsselwörter: Lehrkräfte, Alter, Berufsalter, Dauer im Beruf, Emotionsregulation, Episodik

Zusammenfassung

Die Bewältigung emotional belastender Unterrichtsepisoden hat sich für den Erhalt der Gesundheit von Lehrkräften als entscheidend erwiesen. Doch gerade Berufsanfängern und älteren Lehrkräften scheint dies schwer zu fallen. Daher wurde die Emotionsregulation über belastende Unterrichtsepisoden hinweg abhängig vom Berufsalter der Lehrkräfte untersucht. Es zeigte sich, dass erfahrenere Lehrkräfte eine stärkere Dissonanz zwischen der für den Unterricht als angemessen erachteten und der tatsächlich aufkommenden Emotion erlebten. In der Folge bemühten sie sich stärker als ihre Kollegen mittleren Berufsalters, entweder diese emotionale Dissonanz auszugleichen (sog. deep acting) oder tendenziell im Interesse einer erfolgreichen Fortsetzung des Unterrichts eine freundlich-neutrale Grundstimmung auszudrücken (sog. faking in good faith). Es deutet sich an, dass erfahrenere Lehrkräfte ein differenzierteres Repertoire von Strategien nutzen und dies mit höherer Intensität tun, während Berufsanfänger insbesondere intensiver deep acting betreiben.

Praktische Relevanz

Trainings zur gesundheitsförderlichen Emotionsregulation in belastenden Unterrichtsepisoden können zum Erhalt der Gesundheit von Lehrkräften beitragen. Diese sollten sich speziell an Berufsanfänger und ältere Lehrkräfte richten. Die Grundzüge einer solchen psychologisch fundierten Intervention werden auf der Basis der vorgestellten Ergebnisse dargestellt.


Veränderungen der Einstellungen zur Arbeitstätigkeit in Abhängigkeit vom Alter - erste Ergebnisse einer Längsschnittuntersuchung durchgeführt in zwei Automobilunternehmen

Autor: Sarah Schiekirka, José-Alonso Enríquez-Díaz und Ekkehart Frieling

Schlüsselwörter: Längsschnittstudie, Automobilindustrie, Alter, Arbeitsfähigkeit, Einstellungen

Zusammenfassung

Im Beitrag werden zwei längsschnittlich und querschnittlich erhobene Datensätze aus zwei Automobilunternehmen miteinander verglichen. Es soll aufgezeigt werden, wie sich die Arbeitsbedingungen in den letzten zwei bis drei Jahren aus Perspektive der Beschäftigten verändert haben, wie die Beschäftigten diese geänderten Bedingungen wahrnehmen und welche Verbesserungen aus ihrer Sicht erforderlich sind. Da es sich bei den Beschäftigtengruppen der beiden Unternehmen um vergleichbare Stichproben handelt, liefern die Daten Hinweise auf die Auswirkungen unterschiedlicher Arbeitspolitiken und Arbeitsstrukturen. Von besonderem Interesse ist dabei, ob sich mit zunehmendem Alter die Wahrnehmungen der Arbeitsbedingungen verändern und welche Anforderungen an die Arbeitsgestaltung daraus abgeleitet werden können. Die eingesetzten Evaluationsmethoden eignen sich dazu, im Vergleich der beiden Werke Schlussfolgerungen für die Gestaltung gesundheitsförderlicher und alternsgerechte Montagesysteme zu ziehen, ohne die wirtschaftlichen Zwänge außer Acht zu lassen. Die Untersuchung wird im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms 1184 gefördert.

Praktische Relevanz

Der demographische Wandel konfrontiert die Unternehmen mit einer steigenden Zahl an älteren Mitarbeitern. Problematisch sind vor allem Arbeitsplätze mit hohen körperlichen Anforderungen, wie sie häufig in der Automobilindustrie zu finden sind. Durch den Vergleich längsschnittlicher Fragebogendaten, erhoben an Montagearbeitsplätzen zweier Automobilunternehmen, können die Auswirkungen dieser Tätigkeitsbedingungen auf die Beschäftigten – differenziert nach Alter - analysiert und konkrete Handlungsanweisungen abgeleitet werden.


Tätigkeitsbezogene Analyse körperlicher Fähigkeiten von jüngeren und älteren Beschäftigten in der Produktion

Autor: Holger Rademacher, Andrea Sinn-Behrendt, Ralph Bruder und Kurt Landau

Schlüsselwörter: Körperliche Fähigkeiten, altersdifferenzierte Arbeitsgestaltung, muskuloskelettale Beschwerden, fähigkeitsgerechter Mitarbeitereinsatz, Altersmanagement

Zusammenfassung

In der in diesem Beitrag vorgestellten Studie wurden die körperlichen Fähigkeiten von 73 Werkern eines Fahrzeugherstellers untersucht. Hierzu kamen neben einer Befragung sowie einer medizinischen Untersuchung auch arbeitsspezifische Tests zum Einsatz. Die Probanden (20-57 J.) wurden in bis zu fünf Altersgruppen eingeteilt. Bei sechs von sieben Tests wurden signifikante Unterschiede zwischen den Altersgruppen festgestellt, jedoch in den meisten Fällen lediglich beim Vergleich der größeren Altersgruppen „20-35 J.“ und „45-57 J.“. Von insgesamt 19 Testvariablen weisen nur vier statistisch relevante Differenzen zwischen den fünf kleineren Altersgruppen auf, in drei dieser vier Fälle nur zwischen zwei der fünf Alters-gruppen. Die älteren Werker (ab 45 J.) zeigen zwar überwiegend schwächere Ergebnisse als die jüngeren Werker (bis 35 J.), aber es sind keine schwerwiegenden Einbrüche zu beobachten. Dennoch sind bei der Lastenhandhabung sowie bei ungünstigen Körperhaltungen Differenzen zwischen den Altersgruppen vorhanden, die für eine altersdifferenzierte Arbeitsgestaltung relevant sind, und auch aufgrund von Arbeitsplatzanalysen der Autoren praktische Relevanz besitzen. Die Studie wird fortgeführt, um mit einer erweiterten Datenbasis ein Screening-Verfahren zur altersdifferenzierten Bewertung von körperlichen Belastungen zu entwickeln, mit dem Gestaltungsdefizite identifiziert und Empfehlungen zur altersdifferenzierten ergonomischen Arbeitsgestaltung abgeleitet werden können.

Praktische Relevanz

Der Artikel stellt Ergebnisse einer Feldstudie zur altersbezogenen Betrachtung industrierelevanter körperlicher Fähigkeiten von Werkern vor, welche eine Grundlage für die alters-differenzierte ergonomische Arbeitsgestaltung in Industrieunternehmen darstellen.


Fähigkeitsgerechte Prozessmodellbausteine zur Generierung altersdifferenzierter Beanspruchungsprofile

Autor: Mathias Keil, Ralph Hensel und Birgit Spanner-Ulmer

Schlüsselwörter: Belastungs-Beanspruchungs-Konzept, Beanspruchungsprofile, altersdifferenziertes Aufgabenspektrum, alternsgerechte Produkt- und Prozessgestaltung, fähigkeitsgerechte Prozessmodellbausteine

Zusammenfassung

Unter dem Gesichtspunkt der arbeitswissenschaftlichen Zielstellung, menschengerechte und effiziente Arbeitssysteme und -prozesse zu realisieren, stehen Unternehmen vor der Herausforderung im Kontext älter werdender Belegschaften weiterhin die Produktivität zu steigern. In diesem Beitrag wird ein Forschungsansatz vorgestellt, der dazu beitragen soll Belastungssituationen mit Blick auf die sich im Alter verändernde Leistungsfähigkeit konzeptiv hinsichtlich der zu erwartenden Beanspruchung zu bewerten. Ziel ist es, mithilfe personalwirtschaftlicher, technischer und organisatorischer Maßnahmen alternsgerechte Arbeitssysteme zu gestalten.

Praktische Relevanz

Die Unternehmen stellen sich der Herausforderung des demographischen Wandels in der betrieblichen Praxis durch Maßnahmen wie Job-Rotation, Arbeitsplatzgestaltung oder die Einrichtung von „Schonarbeitsplätzen“. Die Umsetzung dieser Maßnahmen erfolgt jedoch erfahrungsgeleitet und im Hinblick auf Alterseffekte größtenteils wissenschaftlich nur unzureichend fundiert. Mit Hilfe des im Forschungsvorhaben zu entwickelnden „Systems fähigkeitsgerechter Prozessmodellbausteine“ (SfP) lassen sich altersdifferenzierte Arbeitsprozesse auf der Basis ausgeglichener, altersdifferenzierter Beanspruchungsprofi le modellieren. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur konzeptiven Planung und Ausgestaltung altersdifferenzierter Arbeitssysteme bereits in den frühen Phasen des Produktentstehungs- und -herstellungsprozesses geleistet.


Simulationsunterstützte Leistungsabstimmung von Montagesystemen unter dem Aspekt einer alternden Belegschaft

Autor: Gert Zülch und Martin Waldherr

Schlüsselwörter: Demographische Entwicklung, alternde Belegschaft, Leistungsabstimmung, Simulation von Montagesystemen, personalorientierte Simulation

Zusammenfassung

Der demographische Wandel bedingt, dass ältere Mitarbeiter einen immer stärkeren Anteil an der Belegschaft haben werden. Dies wird insbesondere die Produktivität von Montagesystemen wesentlich beeinflussen, sofern die personellen Leistungsveränderungen nicht bereits bei der Planung berücksichtigt werden. Der Beitrag beschreibt ein Planungsverfahren auf Basis eines genetischen Algorithmus, mit dem nicht nur Teilverrichtungen Montagestationen zugeordnet, sondern auch die daraus resultierende Belastung der Mitarbeiter berücksichtigt werden kann. Durch eine Bewertung mit Hilfe der personalorientierten Simulation können anschließend die Auswirkungen einer alternden Belegschaft prognostiziert werden.

Praktische Relevanz

Gerade kleine und mittelständische Unternehmen werden von den Anforderungen des demographischen Wandels betroffen sein. Der Umgang und der Einsatz älter werdender Mitarbeiter werden zunehmend für den Unternehmenserfolg entscheidend sein. Hier setzt das vorgestellte simulationsunterstützte Planungsverfahren an, um Entwicklungen zu prognostizieren und alternsrobuste Gestaltungslösungen zu entwickeln.


Alterns- und altersspezifische Effekte von körperlichen Belastungen und Tätigkeitsspielraum auf die Gesundheit von Altenpflegekräften

Autor: Andreas Müller, Matthias Weigl, Bettina Lampert, Jürgen Glaser und Peter Angerer

Schlüsselwörter: Alter, Stress, Demand-Control, Altenpflege, Tätigkeitsgestaltung

Zusammenfassung

Ausgehend von Karaseks Job-Demand-Control (JDC-) Modell wurde in einer querschnittlichen Fragebogenuntersuchung an 1.848 Pflegenden geprüft, ob körperliche Belastungen und Tätigkeitsspielraum Risikofaktoren bzw. protektive Faktoren für altersuntypische Gesundheitsbeeinträchtigungen (im Vergleich zu Normwerten von Personen gleichen Alters auffällige Beschwerden) von Pflegenden sind. In einer nach Altersgruppen differenzierten Auswertung wurde insbesondere bei älteren Pflegenden > 50 Jahren eine Risikoerhöhung durch körperliche Belastungen beobachtet. Tätigkeitsspielraum trägt hingegen zur Verminderung des Risikos bei. Aus den Ergebnissen ist zu schließen, dass gesundheitliche Effekte von körperlichen Belastungen und Tätigkeitsspielraum bei Pflegenden jeden Alters, insbesondere aber bei Pflegenden > 50 Jahren, zu erwarten sind.

Praktische Relevanz

Pflege kann in Zukunft nur dann sicher gestellt werden, wenn beschäftigte Pflegende bis ins hohe Erwerbsalter gesund und leistungsfähig im Beruf verbleiben können. Die vorliegende Studie gibt Hinweise auf eine alterns- und altersgerechte Tätigkeitsgestaltung im Bereich der Altenpflege.


Können Ältere mit neuen Medien lernen? Gestaltung und Evaluation eines e-Learning Behavior Modeling Trainings für verschiedene Altersgruppen

Autor: Sonja Bausch, Karlheinz Sonntag, Ralf Stegmaier und Katrin Noefer

Schlüsselwörter: Behavior Modeling Training, e-Learning, Alter, Training, Lernen

Zusammenfassung

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels hat die Trainingsgestaltung unter Berücksichtigung der Lernanforderungen Älterer eine zentrale Bedeutung. In einem behavior modeling basierten e-Learning-Programm zum Zeit- und Selbstmanagement wurden Designprinzipien umgesetzt, die dem Lernstil Älterer in besonderem Maße entgegenkommen. Das Programm wurde in drei Variationen mit einem jungen, einem mittelalten und einem älteren Lernmodell gestaltet. Es zeigte sich, dass das Lernprogramm kurz- und langfristig für junge, mittelalte und ältere Lerner zum Lern- und Transfererfolg führt und, dass Lernen mit einem alterskongruenten Lernmodell den Transfererfolg erhöht.

Praktische Relevanz

Die Studie zeigt konkrete Anforderungen an die Umsetzung von Designprinzipien auf, durch die auch Ältere mit e-Learning- Programmen erfolgreich lernen können. Sie belegt, dass Behavior Modeling Training eine für Ältere gut geeignete Lernmethode ist, in der Alterskongruenz von Lerner und Modell den Trainingserfolg erhöht. Zusätzlich verdeutlicht sie, wie wichtig es für Unternehmen ist, den Erfolg ihrer Trainings differenzierter zu messen.


Altersdifferenzierte Untersuchung von Visualisierungstechniken zur Unterstützung der direkten Manipulation von Netzplänen

Autor: Nicole Jochems, Sebastian Vetter, Jennifer Bützler, Christopher M. Schlick

Schlüsselwörter: Mensch-Rechner-Schnittstelle, ältere Benutzer, Visualisierung, Projektmanagement

Zusammenfassung

In komplexen modernen Mensch-Maschine-Systemen ist die Gestaltung der Schnittstelle, über die der Benutzer mit dem technischen System kommuniziert, von entscheidender Bedeutung für eine effektive, effiziente und zufriedenstellende Mensch-Rechner-Interaktion. Insbesondere im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit und mentale Beanspruchung älterer Computerbenutzer ist es wichtig, die menschliche Informationsverarbeitung zu analysieren und darauf aufbauend die Darstellung komplexer Informationen durch entsprechende Visualisierungstechniken zu optimieren. In einer empirischen Untersuchung mit 90 Versuchspersonen zwischen 20 und 75 Jahren wurden unterschiedliche Visualisierungstechniken zur Unterstützung der direkten Manipulation von komplexen Netzplänen altersdifferenziert hinsichtlich Bearbeitungszeit, Fehleranzahl und mentaler Beanspruchung analysiert.

Praktische Relevanz

Gegenwärtig wird unsere Gesellschaft von zwei Trends – dem demographischen Wandel sowie der Technisierung und Automatisierung von Arbeitsprozessen – geprägt. Für ältere Arbeitspersonen stellt die Benutzung eines Computers aufgrund mit dem Alter oft einhergehender Veränderungen des perzeptuellen, kognitiven und psychomotorischen Systems sowie der Einstellung gegenüber Interaktionstechnologien häufig eine Barriere dar. Insbesondere die Wahrnehmung und Verarbeitung komplexer Informationen die auf dem Bildschirm dargestellt werden, ist für ältere Computerbenutzer häufig schwierig und stellt somit einen wichtigen Ansatzpunkt für die ergonomische Unterstützung dieser Benutzer dar.


Anpassung an visumotorische Transformationen unter indirekter Sicht in frühem und spätem Erwerbsalter

Autor: Mathias Hegele und Herbert Heuer

Schlüsselwörter: Ältere Arbeitnehmer, Zeigebewegungen, indirekte Sicht, visumotorische Transformationen

Zusammenfassung

Moderne Technologien in der Arbeitswelt führen zu einem immer größer werdenden Anteil an Arbeitsplätzen, an denen die visuelle Kontrolle von Werkzeugbewegungen und die das Werkzeug bedienenden Körperbewegungen räumlich voneinander getrennt sind. Dies erfordert die Anpassung an neue visumotorische Beziehungen, die Körperbewegungen in die Bewegungen des Werkzeugs überführen. Die hier berichteten Studien zeigen, dass automatische und unbewusst ablaufende Anpassungsprozesse altersstabil sind, wohingegen bewusstseinspflichtige Komponenten dieser Anpassung bei älteren Arbeitehmern schwächer ausgeprägt sind; und zwar unabhängig davon, ob es sich um neue Richtungs- oder Weitentransformationen handelt.

Praktische Relevanz

Altersveränderungen in der Anpassung an neue Beziehungen zwischen Körper- und Werkzeugbewegungen können sich in verschiedenen, an der Anpassung beteiligten sensomotorischen Kontrollprozessen manifestieren. Die Kenntnis, welche Prozesse alterstabil und welche altersdedingt Veränderungen aufweisen ermöglichen die altersdifferenzierte Gestaltung von Trainingsmaßnahmen und könnten bei der Gestaltung von Mensch-Maschine-Schnittstellen genutzt werden.
 


Ausgabe 4/2010

Menschliche Statur, Gesundheit und Arbeitsplatzgestaltung. Ein ethisches Dilemma

Autor: Roland Kadefors

Schlüsselwörter: Körperhöhe, Arbeitsgestaltung, Körperhaltungen, Gesundheit, Diskriminierung

Zusammenfassung

Dieser Beitrag bezieht sich auf eine ergonomische Untersuchung der Fahrzeugmontage im Volvo Torslanda Werk in Göteborg, unter Berücksichtigung des Zusammenhangs zwischen der Körperhöhe des Werkers oder der Werkerin und die Belastung auf den Körper.
 
Im speziellen wurden die Situationen für die großen (über 195 cm) und kleinen (unter 163 cm) Werker oder Werkerinnen überprüft. Hintergrund der Untersuchung war, dass die Firma die Körperhöhe als Einstellungskriterium angewendet hatte. Personen, die kleiner als 163 cm oder größer als 195 cm waren, wurde eine Beschäftigung als Werker im Montagewerk verweigert. Der Grund für diese Maßnahme war, dass kleine und große Personen einer größeren Gefahr von körperlichen Beschwerden ausgesetzt sind, weil sie in unbequemeren Körperhaltungen arbeiteten. Eine Frau (159 cm groß), der die Beschäftigung aus diesem Grund verweigert wurde, vertrat die Ansicht, dass es sich hierbei um Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts handelte. Sie bekam vom Arbeitsgericht recht und die Firma musste sie einstellen.
 
Die Montagelinie war als kontinuierliche, ungepufferte Serienproduktion organisiert. Die Montageaufgaben waren in Balancen (Arbeitstationen) gruppiert, die geographisch definiert waren. Sobald die Tätigkeiten an einem Auto in einer Arbeitsstation durchgeführt waren, kam das folgende Auto zur Station, und ein ähnlicher oder identischer Satz Tätigkeiten wurde wiederholt. Es gab normalerweise keine Pausen zwischen aufeinander folgenden Autos; die Werker (gewöhnlich 2-3 Personen pro Balance) fuhren ohne Unterbrechung fort. Jede Arbeitsstation enthielt nur eine geringe Anzahl an Operationen. Die Zykluszeit auf dem Fließband war ungefähr eine Minute. Ein Ampelschema war eingeführt, womit jede Arbeitsstation als  „Rot“ „Gelb“ oder „Grün“, abhängig von den körperlichen Belastungen, bewertet worden ist. Das Problem mit „roten“ Takten konnte durch organisatorische Maßnahmen verringert werden. Es wurde ein Rotationsystem eingeführt, das Belastungskumulationen vermied. D.h. ein Werker bewegte sich nicht von einem „roten“ Takt zu einem anderen.
 
In der Untersuchung wurden 35 Operationen identifiziert, wo große oder kleine Werker (Werkerinnen) einer  hohen, langwierigen körperlichen Belastung ausgesetzt waren. Es wurde angenommen, dass diese Operationen einen repräsentativen Ausschnitt der gegenwärtigen Problemsituationen bilden. Die Situationen wurden mit einem biomechanischen Analyseprogramm ausgewertet,  welches die Veränderung von Körperhaltung und Belastung aufgrund unterschiedlicher Körperhöhen analysiert. Die Arbeitsplätze wurden auch mit vorhandenen Ergonomienormen und anderen wissenschaftlichen Unterlagen beurteilt, um das Risiko für Werker oder Werkerinnen körperliche Beschwerden zu entwickeln zu verdeutlichen.
 
Aufgrund der Eigenart der Situationen wurden vier verschiedene Kategorien (Typsituationen) gebildet:

A.            Überkopfarbeit

B.            Arbeit in körperferner Armhaltung

C.            Arbeit in gebeugten oder gehockten Körperhaltungen

D.            Arbeit bei gebeugtem oder gedrehtem Nacken

Das wesentlichste Ergebnis der Untersuchung für kleine Werker (Werkerinnen) besteht darin, dass für sie in ein großer Teil der identifizierten Problemsituationen nur mit extremen Körperhaltungen beim Montieren möglich ist (Typsituation B). Das Problem ist besonders schwer für Werkern oder Werkerinnen mit Körperhöhen unter ca.160-165 cm.
 
Die großen Werker sind in zwei Situationen (C und D) benachteiligt: bei der Montage im Fahrzeuginnenraum müssen sie kriechen, und wenn die Wirkstelle nicht sichtbar ist, müssen sie sich beugen und drehen.
 
Der Vergleich mit Ergonomienormen zeigt für kleine Werker oder Werkerinnen, dass eine Mehrheit von den ausgewählten Problemsituationen Körperhaltungen bedingen, die eine Erhöhung des Risikos bedeuten, weil sie oft in Laufe der Arbeit vorkommen. Für die großen Werker ist es die gekauerte und gebeugte Körperhaltung, die mit den Empfehlungen der Normen nicht harmonieren.
 
Die folgenden Schlüsse wurden gezogen:

  • Kleine Werker oder Werkerinnen müssen ungeeignete Körperhaltungen im Laufe der Arbeit einnehmen. Werker oder Werkerinnen kleiner als etwa 160-165 cm sind einem erhöhten Risiko der körperliche Erkrankungen ausgesetzt.
     
  • Aus Gesundheitsgründen ist es plausibel, die aufgestellten Körperlängenrichtlinien für die Beschäftigung an der Montagelinie beizubehalten. Es ist nicht möglich festzustellen, ob 163 cm und 195 cm die beste Forderung ist, aber sie erscheint nicht unangemessen.
     
  • Die Problemsituationen sind nicht lokal konzentriert, sondern im Montagewerk verstreut.

Es wird geschätzt dass 27% der weiblichen und 2% der männlichen Schwedischen Bevölkerung kleiner als 163 cm sind.
 
Das Arbeitsgericht urteilte zugunsten der Klägerin. In dem Urteil hieß es, dass die Firma nicht bewiesen hatte, dass die Maßnahme passend und notwendig war, und dass sie Frauen bei der Beschäftigung diskriminierte.
 
Zwei ergonomische Grundsätze sind hier im Konflikt: das Recht auf Nichtdiskriminierung aufgrund des Geschlechtes, und das Recht sich nicht einem Gesundheitsrisiko auf Grund von Arbeitsgestaltung auszusetzen.

Praktische Relevanz

Fahrzeugmontage ist mit hohe Körperliche Belastungen vereint, besonders so auf kürze Werker oder Werkerinnen. Ein Konflikt kann unter Sorge der Gesundheit und die Anstellungsfähigkeit der Frauen dabei erscheinen.



Berücksichtigung der Haltung des Oberkörpers bei der Beurteilung von Ganzkörper-Schwingungen

Autor: Martin Fritz, Klaus Schäfer

Schlüsselwörter: Ganzkörper-Schwingungen, Neigung des Rumpfes, Körperhaltung, aufrechtes Sitzen, Simulation

Zusammenfassung

Während der betriebsüblichen Einsätze von Containerbrücken sitzen die Fahrer häufig mit nach vorn geneigtem Oberkörper, um die Bewegungen des Containers kontrollieren zu können. Fahrer von Gabelstaplern neigen sich zur Seite, um am Hubmast vorbei schauen zu können, oder drehen sich bei der Rückwärtsfahrt zur Seite. Die hierbei auftretenden Kräfte in den Bewegungssegmenten der Lendenwirbelsäule wurden mit Hilfe eines biomechanischen Modells simuliert und mit den Kräften bei aufrechter Sitzhaltung verglichen. Die Neigung des Rumpfes nach vorne oder zur Seite ergab eine Erhöhung der zeitlichen Mittelwerte der Wirbelsäulenkräfte. Der Zusammenhang zwischen den Mittelwerten der Kräfte und den Vor- und Seitneigungswinkeln des Rumpfes konnte durch Regressionsgeraden dargestellt werden.

Praktische Relevanz

Die typischen Körperhaltungen der Fahrer von Containerbrücken oder Gabelstaplern führen zu Kräften in den Bewegungssegmenten der Wirbelsäule, die höher sind als die Kräfte während der aufrechten Sitzhaltung. Dieses erhöhte Kraftniveau muss bei der Gefährdungsanalyse von Arbeitsplätzen mit Ganzkörper-Schwingungen berücksichtigt werden.


Analyse von Hebe- und Tragetätigkeiten im Möbelspeditionsgewerbe unter besonderer Berücksichtigung der Belastung der Lendenwirbelsäule

Autor: Claus Backhaus, Stefan Baars, Karl-Heinz Jubt, Christian Felten, Jörg Hedtmann

Schlüsselwörter: Möbelwerker, Umzug, Tragen, Lastenhandhabung, Lumbalbelastung, Wirbelsäule

Zusammenfassung

Der Beitrag ermittelt die Belastung von Möbelwerkern durch das Heben und Tragen von Umzugsgut bei privaten Haushaltsumzügen. Es werden 21 Möbelspeditionen zur Umsetzung des Arbeitsschutzes und zur internen Arbeitsorganisation befragt, 23 Privatumzüge zur Datenerhebung begleitet und bei 5 Umzügen Körperhaltungen mit einem biomechanischen Bewegungsanalysesystem erfasst. Auf dieser Grundlage wird die Belastungssituation quantifiziert und mit Hilfe praxisorientierter Schätzverfahren beurteilt. Möbelwerker sind erwartungskonform erhöhten Belastungen durch das Heben und Tragen schwerer Lasten ausgesetzt. Allerdings bestehen signifikante Belastungsunterschiede zwischen der Gruppe der Möbelträger und den Stauern bzw. Möbelschreinern. Die größten Defizite ergeben sich aus dem unzureichenden Einsatz vorhandener Hilfsmittel und dem regelmäßigen Transport von Gewichten von mehr als 40 kg. Die Ergebnisse der Umzugsbeobachtungen legen die Vermutung nahe, dass das Arbeitsverhalten der Mitarbeiter überwiegend auf eine Verringerung der kardiovaskulären und nicht der muskuloskelettalen Belastung abzielt.

Praktische Relevanz

Die Ergebnisse der durchgeführten Arbeitsanalyse liefern quantitative Daten zur Belastungsbewertung z. B. im Rahmen von Berufskrankheitenfeststellungsverfahren und ermöglichen das Unterstützen von gezielten Präventionsmaßnahmen bei Wirbelsäulenbeschwerden von Möbelwerkern.


Deutschsprachige Fragebögen zur Usability-Evaluation im Vergleich

Autor: Kathrin Figl

Schlüsselwörter: Usability, EN ISO 9241-110, Software-Ergonomie, Software-Evaluation, Fragebögen, Isometrics, Isonorm 9241/10

Zusammenfassung

Für die Konstruktion gebrauchstauglicher Anwendungssysteme ist eine exakte Evaluierung der Usability eine wertvolle Unterstützung. Zu diesem Zweck werden in der Praxis häufig Usability-Fragebögen herangezogen. Im deutschen Sprachraum sind die beiden Fragebögen Isonorm 9241/10 und Isometrics, die beide Software gemäß der EN ISO 9241–110 evaluieren, weit verbreitet. Die vorliegende Studie widmete sich einem Vergleich dieser beiden Fragebögen hinsichtlich testtheoretischer Gütekriterien. Im Rahmen eines experimentellen Designs wurden die beiden Fragebögen eingesetzt um die Usability von zwei Standard-Softwarepaketen zu bewerten. Hinsichtlich der inhaltlichen Validität der Fragebögen zeigten die Ergebnisse eine hohe Übereinstimmung der Usability-Messung der beiden Fragebögen. Auch weitere testtheoretische Analysen lieferten eine ähnliche Qualitätsbeurteilung beider Fragebögen, weshalb sie aus diesem Blickwinkel gleichermaßen für Forschung und Praxis empfohlen werden können.

Praktische Relevanz

Da in der Praxis und der Forschung unterschiedliche Usability-Fragebögen eingesetzt werden, stellt sich die Frage, inwiefern und ob Evaluationsergebnisse auf Basis verschiedener Usability-Fragebögen vergleichbar sind. Die vorliegende Arbeit versucht  dieser Problemstellung auf den Grund zu gehen, indem sie die beiden am meisten verbreiteten Usability-Fragebögen Isonorm 9241/10 und Isometrics vergleicht. Für die Praxis und für Anwender mit geringem testtheoretischem Hintergrund bietet ein Vergleich der Qualität von Usability-Fragebögen eine wichtige Entscheidungs- und Orientierungshilfe für deren Auswahl.


Die Hierarchische Aufgabenanalyse im Babel interdisziplinärer Softwareentwicklungsprojekte

Autor: Michael Hildebrandt, Saskia Kain, Kai Kesselring, Jens Nachtwei, Nicolas Niestroj, Hermann Schwarz

Schlüsselwörter: Softwareentwicklung, interdisziplinär, Aufgabenanalyse, Projektkommunikation

Zusammenfassung

Der Leitsatz, eine fundierte Aufgaben- und Anforderungsanalyse sei für den Erfolg von Softwarenentwicklungsprojekten zentral, wird inzwischen ernst genommen. Oft herrscht jedoch Unklarheit über das „Wie“ oder „Womit“. Welche Methoden sind nützlich und praktisch nutzbar, um Aufgaben, Anforderungen und mögliche Risiken einer Software so früh wie möglich zu identifizieren? Wir diskutieren die Hierarchische Aufgabenanalyse (HAA) als eine Methode, um diese Ziele zu erreichen und haben uns bewusst für diese spezielle Form entschieden. Denn die Interdisziplinarität in Softwareentwicklungsprojekten macht eine gemeinsame Sprache nötig, die von Informatikern, Ingenieuren, Designern und Psychologen gleichermaßen verstanden wird. Wir beleuchten die HAA im Schnittfeld von Informatik und Psychologie und berichten dabei von unseren eigenen Erfahrungen in einem unserer Projekte, um somit die Praxis für diesen Ansatz zu sensibilisieren.


Entwicklung eines Instruments zur stressbezogenen Arbeitsanalyse für Klinikärztinnen und -ärzte (ISAK)

Autor: Monika Keller, Eva Bamberg, Maren Böhmert, Albert Nienhaus

Schlüsselwörter: Arbeitsanalyse, Stressoren, Ressourcen, Klinikärzte

Zusammenfassung

Studien zeigen in den Arbeitsbedingungen von Klinikärztinnen und -ärzten vielfältige Stressoren, die sich negativ auf die Gesundheit der Betroffenen und die Güte der Patientenversorgung auswirken können. Um die spezifischen Problembereiche in Kliniken erfassen zu können, wurde ein Fragebogen entwickelt – das Instrument zur stressbezogenen Arbeitsanalyse für Klinikärztinnen und -ärzte (ISAK). Dies lehnt sich methodisch an das Instrument zur Stressbezogenen Tätigkeitsanalyse (ISTA) an.
 
Im Artikel werden zunächst die qualitativen Studien zur Exploration der Verfahrensgrundlagen und die Entwicklung der ersten Fragebogenversion skizziert. Den Schwerpunkt bildet eine schriftliche Befragung mit 702 Klinikärztinnen und -ärzten. Eine explorative Faktorenanalyse bestätigt die theoretische Struktur des Fragebogens weitestgehend. Unter Einbeziehung diverser statistischer Kennwerte und Methoden wurden anschließend umfangreiche Item- und Skalenselektionen vorgenommen.
 
Das so entwickelte Analyseinstrument erfasst in 23 Skalen und 84 Items vielfältige Stressoren und Ressourcen der ärztlichen Arbeitsbedingungen.

Praktische Relevanz

Der entwickelte Fragebogen bietet Kliniken die Möglichkeit, Schwachstellen in den Arbeitsbedingungen ihrer Ärztinnen und Ärzte zu erfassen. Darauf aufbauend können Ansätze für Interventionen zur Verbesserung abgeleitet werden.


Ist die Wirkung lernförderlich gestalteter Arbeitsaufgaben altersabhängig?

Autor: Falk Richter

Schlüsselwörter: Altern, Kompetenzentwicklung, Arbeitsfähigkeit, lernförderliche Aufgabengestaltung, altersdifferenzierte Arbeitsgestaltung

Zusammenfassung

Auf Basis einer Fragebogenerhebung bei 904 Arbeitenden aus unterschiedlichen Branchen wurde untersucht, in welchem Ausmaß Indikatoren beruflicher Handlungskompetenz mit der subjektiv erlebten lernförderlichen Gestaltung von Arbeitsaufgaben vs. dem Alter im Zusammenhang stehen. Des Weiteren wurde überprüft, ob sich die erlebte Aufgabengestaltung bei jüngeren und älteren Arbeitenden unterschiedlich auswirkt. Es zeigt sich ein durchgehend positiver Einfluss erlebter lernförderlicher Aufgabengestaltung, der im Wesentlichen nicht durch das Alter der Beschäftigten moderiert wird. Das Alter weist dabei negative, positive und Nullkorrelationen mit unterschiedlichen Indikatoren der Kompetenz und Arbeitsfähigkeit auf. Lediglich bei beruflichen Entwicklungszielen zeigt sich ein signifikant negativer Einfluss des Alters, der auch über den Einfluss lernförderlicher Aufgabengestaltung hinausgeht.

Praktische Relevanz

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass eine altersdifferenzierte Arbeitsgestaltung im Hinblick auf Merkmale wie Tätigkeitsspielraum und Anforderungsvielfalt für den Erhalt beruflicher Handlungskompetenz und Arbeitsfähigkeit eher nicht angezeigt ist. Das Augenmerk sollte vielmehr unabhängig vom Alter der Beschäftigten auf einer präventiv wirksamen lernförderlichen Gestaltung von Arbeitsaufgaben liegen.


Arbeitszeit für die alternde Belegschaft - “Lessons learned“ aus dem Forschungsprojekt KRONOS

Autor: Peter Knauth, Dorothee Karl, Kathrin Elmerich

Schlüsselwörter: Demografischer Wandel, Schichtarbeit, Teilzeitarbeit, Wahlarbeitszeit, Langzeitkonten

Zusammenfassung

Im Rahmen von zehn Teilprojekten in sechs Unternehmen aus der Automobil-, Stahl-, Pharma- und Chemischen Industrie wurden alternsgerechte Arbeitszeitmodelle (z. B. Teilzeitarbeit, Kurzpausen, alternsgerechte Schichtpläne, Langzeitkonten) untersucht beziehungsweise neu entwickelt, eingeführt und evaluiert.
 
Im einzelnen ergeben sich aus KRONOS folgende Empfehlungen: Eine generelle Verkürzung der täglichen Arbeitszeit für alle älteren Arbeitnehmer ist nicht sinnvoll, da es in den höheren Altersklassen sehr starke interpersonelle Streuungen der Arbeitsfähigkeit und Gesundheit gibt. Wohl aber sollen Ältere bei schwerer Arbeit mehr Pausen machen. Schichtpläne mit schneller Vorwärtsrotation wirken sich günstiger auf die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit aus als die traditionellen, wöchentlich und rückwärts rotierenden Schichtpläne. Es ist sinnvoll, die Anzahl der Nachtschichten pro Person und Jahr zu verringern. Wie die Studie zeigt, lässt sich die Nachtschichtbesetzung auch bei teilautomatisierten Prozessen ausdünnen, wenn Tätigkeiten aus der Nacht- in die Früh- und Spätschichten verschoben werden. Die Frühschicht sollte nicht vor 6:00 Uhr beginnen. Die Ergebnisse von KRONOS legen auch eine weitere Verbreitung von Wahlarbeitszeiten und Sabbaticals nahe.
 
Als wesentliche Erfolgsfaktoren für alternsgerechte Arbeitszeitmodelle erwiesen sich die Berücksichtigung arbeitswissenschaftlicher Empfehlungen, die Möglichkeit der Mitarbeiter, auf die Gestaltung ihrer Arbeitszeit Einfluss zu nehmen, günstige Rahmenbedingungen (z. B. Einstellung der Führungskräfte, adäquate partizipative Einführungsstrategie) sowie die Einbettung der Teilprojekte in eine betriebliche Gesamtstrategie in Bezug auf den demo­grafischen Wandel.

Praktische Relevanz

Die deutschen Unternehmen müssen Strategien entwickeln, die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit ihrer älter werdenden Belegschaft bis zum Rentenalter von 67 Jahren zu erhalten. Neben einer Reihe von Gestaltungsfeldern wie Führung, Arbeitsorganisation, Qualifizierung sowie Gesundheitsförderung kommt der alterns- und vor allem lebensphasenbezogenen Arbeitszeitgestaltung eine besondere Bedeutung zu.