TITEL, ZUSAMMENFASSUNGEN, AUTOREN UND SCHLÜSSELWÖRTER DER BEITRÄGE AB AUSGABE 1/2009
 
1/2009 Darf ich oder darf ich nicht? Situationsbewusstsein im Umgang mit Nebenaufgaben während der Fahrt

Situationsbewusstsein und antizipative Prozesse

Fahren Ältere situationsbewusster als Jüngere?

Der Einfluss von Zusatzsystemen auf das Situationsbewusstsein beim Fahren - Ein Verfahren zur Messung kognitiver und visueller Ablenkungswirkung

Kognitive Parameter für die Beziehung von Situationsbewusstsein und Verhalten

Verbesserung des Situationsbewusstseins in zeit- und sicherheitskritischen Verkehrssituationen durch
semantische Anreicherung von Warnsignalen

Anwendungen des Konzepts 'Situationsbewusstsein' in der Aeronautik und im Automobilbereich:
Empirische Befunde und Empfehlungen

  

2/2009

Gesellschaftliche Knotenpunkte arbeitspolitischer Programmentwicklung in Deutschland

Umsetzungskonzepte im Humanisierungsprogramm - und was man daraus für heute lernen könnte

Das HdA-Programm - Ausbruch aus der traditionellen Technologiepolitik

Humanisierung des Arbeitslebens - Ein sozial- und forschungspolitisches Lehrstück

Der Beitrag des HDA-Programms für die Weiterentwicklung des Arbeitsschutzes

Erfahrungen aus dem VW-Projekt

Wahlarbeitszeit - ein Zukunftsmodell

Arbeits- und Gesundheitsschutz: Vom Sicherheitsbeauftragten zum integrativen Managementsystem als Teil eines Corporate Social Responsibility Konzeptes

Kriterien menschengerechter Arbeit im Lohnrahmentarifvertrag II / Manteltarifvertrag von 1973

Es war manches positiv - aber auch nicht alles sinnvoll: Ein Rückblick auf 35 Jahre staatliche geförderte Arbeitsforschung

Grenzen der Übertragbarkeit der HdA-Forschung auf die heutige Arbeitsforschung

Gender - eine unverzichtbare Perspektive in einem neuen Humanisierungsprogramm

Zur Aktualität des Konzepts der „Betrieblichen Lebenswelt“

Parallelentwicklungen in der DDR zur „Humanisierung des Arbeitslebens“ (HdA)

Arbeitswissenschaft im „Humanisierungsdiskurs“ - Eine Retrospektive

Arbeitswissenschaftliche Bewertung des DGB-Index ‘Gute Arbeit’

 

3/2009

Zur Verschränkung von User Experience und Usability Engineering: Merkmale, Prinzipien und Vorgehensmodelle

Ergotyping im rechnerunterstützten Entwicklungs- und Gestaltungsprozess

Beurteilung von Systemen im Fahrzeug – welche Messmethoden sind geeignet?

Teilautonome Roboter in Such- und Rettungseinsätzen – Potentialeinschätzung und Gestaltungsvorstellungen aus der Anwenderperspektive

Situationsbewusstsein und Automation bei Arbeitsplätzen der Marine

Beurteilung muskulärer Beanspruchung bei Hand- Arm-Rumpf Bewegungen, die besondere Sorgfalt und Präzision erfordern

 

4/2009 Erfolgreich Arbeiten: Qualifizierter. Flexibler. Gesünder. Das arbeitspolitische Rahmenkonzept zur Entwicklung und Förderung der Beschäftigungsfähigkeit in Nordrhein-Westfalen

Beschäftigungsfähigkeit entwickeln und erhalten – Ansprüche aus gewerkschaftlicher Sicht

Beschäftigungsfähigkeit erhalten – Eigenverantwortung stärken

Gesundheitskompetenz und Präventionskultur – Indikatoren für Gesundheit und Erfolg in Unternehmen: ein praktisches Handlungsmodell

Wuppertaler Gesundheitsindex für Unternehmen (WGU)

Multimediale Simulation und Einübung von Verhaltensmustern im Arbeitsschutz zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit

Arbeit – Psyche – Rückenschmerzen: Einflussfaktoren auf die Beschäftigungsfähigkeit und betriebliche Präventionsstrategien
  

Ausgabe 1/2009

Darf ich oder darf ich nicht? Situationsbewusstsein im Umgang mit Nebenaufgaben während der Fahrt

Autoren: Nadja Rauch, Barbara Gradenegger, Hans-Peter Krüger

 

Schlüsselwörter: Situationsbewusstsein, Methode, Nebenaufgabe, Antizipation, Fahrsimulation

 

Zusammenfassung
 
Am Beispiel der Bearbeitung von Nebenaufgaben während der Fahrt wird ein Arbeitsmodell des Situationsbewusstseins entwickelt und überprüft. In einer Versuchsanordnung in der Fahrsimulation wurden den Fahrern in unterschiedlich anspruchsvollen Situationen Angebote zur Bearbeitung einer Nebenaufgabe gegeben. Sie konnten jeweils entscheiden, ob und wie lange sie sich in der aktuellen Situation mit dieser beschäftigen wollten. Die Entscheidungen der Fahrer im Umgang mit der Nebenaufgabe ermöglichen es, relevante Aspekte von Situationsbewusstsein, wie antizipative Prozesse der Handlungsplanung als auch kontrollierende Prozesse der Handlungsabsicherung, zu identifizieren.

 

Praktische Relevanz
 
Die dargestellte Methode erlaubt Aussagen über die Möglichkeiten und Grenzen von Kompensationsstrategien im Umgang mit Nebenaufgaben in realen Fahrsituationen.

Die Finanzierung der hier dargestellten Arbeiten erfolgte im Rahmen des Projekts „Das Konzept des Situationsbewusstseins und seine Implikationen für die Fahrsicherheit im Auftrag der Foschungsvereinigung Automobiltechnik e.V. und der Bundesanstalt für Straßenwesen (FE 82.293/2005).
 


Situationsbewusstsein und antizipative Prozesse

Autoren: K. Wolfgang Kallus

Schlüsselwörter: Situationsbewusstsein, Flugunfälle, räumliche Desorientierung, psychophysiologische Beanspruchungsmessung, Simulatorstudie, antizipative Verhaltenssteuerung

Zusammenfassung
 
Der Beitrag entwickelt am Beispiel des Phänomens der Räumlichen Desorientierung von Piloten die These, dass antizipative Prozesse für Situationsbewusstsein von stärkerer Bedeutung sein könnten als klassische Ansätze von „Situation Awareness“ annehmen. Unterschiede in antizipativen vegetativen Veränderungen für Piloten, die im Simulator Unfälle verursachen weisen darauf hin, dass der Analyse und Erklärung der Antizipativen Prozesse in Zukunft deutlich mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Während das Klassische Modell zur „Situation Awareness“ von Endsley (1995) mit den Stufen „Wahrnehmung der relevanten Faktoren aus der Umwelt“ („Level 1 - SA“), „Interpretation/Verständnis der Bedeutung dieser Faktoren“ („Level 2 – SA“) und „Verständnis der Entwicklung des Systems in der nahen Zukunft“ („Level 3 – SA“) geeignet ist die Informationsverarbeitungsschwächen bei (Flug) Unfällen zu beschreiben, könnte der differenzierten Analyse bewusster und automatisierter antizipativer Prozesse eine entscheidende Bedeutung für die Erklärung des Verhaltens in zeitdynamischen Systemen und die Entwicklung des präventiven Trainings zukommen.

Praktische Relevanz
 
Die Unterstützung antizipativer Prozesse bei der Steuerung von dynamischen Systemen durch Ausbildung und Training als durch die Entwicklung technischer Unterstützungssysteme könnte zur Systemsicherheit und zur Reduktion von Fehlhandlungen einen wichtigen Beitrag liefern.
 


Fahren Ältere situationsbewusster als Jüngere?

Autoren: Mark Vollrath, Jannette Maciej, Jürgen Howe,Susanne Briest

Schlüsselwörter: Ältere Fahrer, Kreuzung, Fahrverhalten, Unfallrisiko, Situationsbewusstsein

Zusammenfassung
 
Von der Theorie des Situationsbewusstseins her sollten an Kreuzungen unter bestimmten Umständen vor allem Probleme im Hinblick auf die Antizipation der Situationsentwicklung entstehen. In einer Simulatorstudie wurden einerseits verschiedene Aspekte der Schwierigkeit bei Kreuzungen variiert, andererseits ältere und jüngere Fahrer verglichen. Beide Einflussfaktoren verändern sowohl Fahrverhalten als auch die Situationsbewertung und Bewältigung deutlich, wobei allerdings Prozesse der geteilten Aufmerksamkeit entscheidend sind. Damit finden sich keine Belege für eine Interpretation im Sinne der Relevanz eines speziellen Konzepts des Situationsbewusstseins.

Praktische Relevanz
 
Über 30% aller schweren Unfälle mit hohem Sachschaden, Verletzten oder Toten geschehen im Bereich von Kreuzungen. Besonders ältere Fahrer sind dort sehr häufig als Unfallverursacher zu finden. Eine detaillierte Untersuchung des Kreuzungsverhaltens und der Fehler können dazu beitragen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
 


Der Einfluss von Zusatzsystemen auf das Situationsbewusstsein beim Fahren - Ein Verfahren zur Messung kognitiver und visueller Ablenkungswirkung

 

Autoren: Martin R. K. Baumann, Diana Rösler, Josef F. Krems

Schlüsselwörter: Visuelle Beanspruchung, kognitive Beanspruchung, Ablenkung, Situationsmodell, Zweitaufgaben, Fahren

Zusammenfassung
 
Um sicher im Straßenverkehr mobil zu sein, benötigen Fahrer eine korrekte mentale Repräsentation der aktuellen Verkehrssituation. Diese Repräsentation resultiert aus einem komplexen Verstehensprozess, der durch die Verwendung von Zusatzsytemen im Fahrzeug beeinträchtigt werden kann, insbesondere wenn diese Systeme auf visuelle und / oder kognitive Verarbeitungskapazitäten zurückgreifen. Um diesem Ressourcenkonflikt und der damit verbundenen Ablenkungswirkung vorzubeugen, ist es wichtig, frühzeitig im Entwicklungsprozess von Zusatzsystemen deren Beanspruchungshöhe zu bestimmen. Dieses Forschungsvorhaben evaluiert ein einfach zu implementierendes Verfahren, das auf das Zweitaufgabenparadigma zurückgreift mit dem Ziel, simultan die visuelle und kognitive Beanspruchung von Zusatzsystemen im Fahrzeug zu erfassen.
 
Es wurden zwei experimentelle Studien durchgeführt. Die erste Untersuchung prüfte die Verwendbarkeit des Zweitaufgabenparadigmas. Die Probanden bearbeiteten drei realitätsnahe Zusatzaufgaben, die sich in ihrer visuellen und / oder kognitiven Beanspruchung unterschieden. Diese Zusatzaufgaben wurden als Primäraufgaben ausgeführt. Als Zweitaufgabe wurde die n-Back Aufgabe (Owen et al. 2005) ausgewählt. Bei dieser Aufgabe werden den Probanden sukzessiv Stimuli präsentiert. Für jeden Stimulus muss entschieden werden, inwieweit der aktuelle Stimulus dem Stimulus n Durchgänge zuvor entspricht. N wurde im Experiment auf 1 festgesetzt. Dies bedeutet, dass der aktuelle mit dem vorangegangenen Stimulus verglichen werden musste. Die 1-back Aufgabe liefert zwei verschiedene abhängige Maße. Zum einen wird die Entdeckungsrate bestimmt, das heißt der Anteil an Stimuli, bei denen eine Reaktion gezeigt wurde unabhängig davon, ob diese Reaktion richtig oder falsch war. Sofern eine simultan ausgeführte Primäraufgabe hohe visuelle Beanspruchung aufweist, sollten mehr visuelle Reize der 1-Back Aufgabe übersehen werden. Dieses Maß  erlaubt damit die Vorhersage visueller Beanspruchung. Bestimmt man den Anteil korrekter Reaktionen an allen gezeigten Reaktionen, ergibt sich die Trefferrate. Dieses Maß wurde zur Vorhersage kognitiver Beanspruchung eingesetzt. Ist eine Primäraufgabe stark kognitiv beanspruchend, sollte die Person den vorangegangenen Stimulus öfter vergessen und es sollte ihr schwerer fallen, den aktuellen Reiz zu enkodieren. Falsche Reaktionen werden damit häufiger die Folge sein. Die Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass die Entdeckungsrate als valides Maß zur Bestimmung visueller Beanspruchung von Aufgaben verwendet werden kann. Weiterhin erwies sich die Entdeckungsrate sensitiv für eine hohe kognitive Beanspruchung von Zusatzaufgaben, obgleich dieser Einfluss deutlich geringer ausfiel als der Einfluss durch visuelle Beanspruchung.
 
In der zweiten Studie wurden die Zusatzaufgaben während des Fahrens in einem Simulator bearbeitet, um deren Einfluss auf das Fahrsituationsbewusstsein zu erfassen. Die Ergebnisse wurden mit den Entdeckungs- und Trefferraten der 1-Back Aufgabe verglichen. Zum einen erwarteten wir für hoch visuell beanspruchende Aufgaben, die in einer geringen Entdeckungsrate resultierten, eine beeinträchtigte Wahrnehmung relevanter Informationen und damit eine unvollständige Repräsentation der Fahrsituation. Zum anderen sollten stark kognitiv beanspruchende Aufgaben, die eine geringe Trefferrate in Experiment 1 bewirkten, mit der Aufrechterhaltung der Situationsrepräsentation interferieren. Die mentale Repräsentation der Fahrsituation wurde mit Hilfe der Freezingtechnik erfasst. Hierbei wurde die Fahrsimulation mehrmals unterbrochen und der Fahrer nach der Anzahl von Fahrzeugen in verschiedenen Fahrspuren befragt. Für hoch kognitiv beanspruchende Zusatzaufgaben zeigte sich erwartungsgemäß eine geringere Antwortgenauigkeit für den rückwärtigen Verkehr. Diese Aufgaben scheinen folglich mit der Aufrechterhaltung der Situationsrepräsentation zu interferieren. Entgegen unseren Erwartungen zeigte sich keine Beeinträchtigung der Antwortgenauigkeit für den vorausfahrenden Verkehr und damit der Wahrnehmung relevanter Informationen, wenn stark visuell beanspruchende Zusatzaufgaben beim Fahren ausgeführt wurden. Die visuelle Beanspruchung der 1-Back Aufgabe scheint damit größer zu sein als das visuelle Überwachen des vorausfahrenden Verkehrs. Jedoch sollte diese Eigenschaft der n-Back Aufgabe beim Einsatz im Entwicklungsprozess von Zusatzsystemen von Vorteil sein, da auf diese Weise allein Systeme mit geringer visueller Beanspruchung für die Verwendung im Fahrzeug weiterentwickelt werden.

Praktische Relevanz
 
Verschiedenste Fahrerinformationssysteme zählen mittlerweile zur Grundausstattung vieler Fahrzeuge. In der Auslegung dieser Systeme ist es wichtig, dass die Ausführung der Fahraufgabe durch die Bedienung dieser Systeme nicht sicherheitskritisch beeinträchtigt wird. Dieser Beitrag stellt ein einfaches Messverfahren vor, das es frühzeitig im Entwicklungsprozess von Fahrerinformationssystemen ermöglicht, deren visuelle und kognitive Beanspruchung an den Fahrer abzuschätzen und die Auswirkungen auf das Situationsbewusstsein des Fahrers vorherzusagen.
 


Kognitive Parameter für die Beziehung von Situationsbewusstsein und Verhalten

Autoren: Oliver Sträter

Schlüsselwörter: Situationsbewusstsein, Kognitive Kopplung, Kognitiver Verarbeitungszyklus, Antizipation, Zeitliche Adaptation, Modellierung des Fahrers

Zusammenfassung
 
Das Konzept Situationsbewusstsein (SA) geht einen wichtigen Aspekt menschlicher Einbindung in technischen Systemen an. Dies ist die aktive Rolle des menschlichen kognitiven Systems für die zukünftige Entwicklung von Situationen.
 
Damit ist das Konzept für die Systemgestaltung im Automotive Bereich von besonderen Interesse denn beim Fahren eines Automobils ist der Fahrer zu jeder Zeit gefordert, die Entwicklung der derzeitigen Situation in die Zukunft abzuschätzen; so muss er beispielsweise beim Überholen auf der Autobahn die Geschwindigkeit der rückwärtigen Verkehrs abschätzen, dann zum Überholen ansetzen und wieder kontrollieren, ob sich die Situation auf der linken Spur gemäß seiner Einschätzung entwickelt hat. Ähnlich muss der Autofahrer im Stadtverkehr das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer abschätzen seine eigene Situation entsprechend adaptieren.
 
Nach Mica Endsley, einer der Schlüsselpersonen bei der Entwicklung des Konzeptes ist SA definiert als die Wahrnehmung der Elemente der Umgebung innerhalb eines raum- zeitlichen Fensters , des Verstehens ihrer Bedeutung und Projektion in die nahe Zukunft (Endsley, 1988).
  
Damit geht das Konzept auf den wichtigen Punkt der aktiven Rolle des Menschen im technischen System ein. Demnach sind drei Ebenen zu unterscheiden: Die Ebene der Situation, die Ebene des Wahrnehmens und Handelns und die Ebene der Bildung des Situationsbewusstseins. Dennoch ist eine Operationalisierung des Konzeptes schwierig denn es umfasst mehrere Aspekte der Informationsverarbeitung und mehrere Modellvorstellungen der Informationsverarbeitung wie das sequentielle Verarbeitungsmodell, mentale Modelle und Aufmerksamkeitsmodelle. Eine Operationalisierung des Konzeptes ist jedoch eine Vorbedingung das Konzept sinnvoll für die Systemgestaltung nutzen zu können.
 
Zur weiteren Strukturierung des Konzeptes ist es sinnvoll, nicht die Ebenen sondern die Verbindungen der Ebene genauer zu untersuchen.
Hierzu sind erforderlich:
  
·                      Die Kognitive Kopplung der Situation und der Informationsverarbeitung
 

·                      Die Kognitive Verarbeitungsmechanismen, welche die Unterschiede zwischen der Situation und der Zustands des kognitiven Systems auflösen
 
Aufgrund kybernetischer Überlegungen können eine Reihe kognitiver Kopplungsmodi unterschieden werden (Sträter & Bubb 2003), die Unterscheidungen vornehmen hinsichtlich:
 
·                      Art der Involviertheit
 
·                      Art der Aufgaben

 

·                      Art der Kontrolle

 

·                      Dimensionalität

 

·                      Erforderliche Bedienung

 

·                      Kompatibilität
 
Die systematische Anwendung der kognitiven Kopplungsmodi erlaubt die kognitiven Anforderungen an den Menschen systematisch zu beschreiben. Beispielsweise wurde diese Klassifikation genutzt um das Situationsbewusstsein für die Notwendigkeit der Kommunikation während der Prozesskontrolle genutzt.
 
Nach der Analyse und Klassifikation der kognitiven Kopplungsmodi zeigen die kognitiven Verarbeitungsmechanismen auf, inwieweit situationsadäquate Handlungen ausgeführt werden. Zur Beschreibung dieser Vorgänge beschreibt der kognitive Verarbeitungszyklus, wie der Mensch Differenzen zwischen kognitiven Anforderungen der Situation und eigenen Zielstellungen auflöst (Sträter, 2005). Es zeigen sich eine Reihe von Auflösungsmechanismen (Beispiele aus Schweigert, 2003):
 
·                      Informationsignoranz – beispielsweise beginnt ein Fahrer bei einer Zusatzaufgabe scheinbar  irrelevante Information zu ignorieren

 

·                      Erwartungsbasiertes Schließen – beispielsweise optimiert ein Fahrer bei einer Zusatzaufgabe sein Wahrnehmungsverhalten.

 

·                      Fixierung - beispielsweise beginnt ein Fahrer bei einer Zusatzaufgabe verkehrsrelevante Information zu ignorieren

 

·                      Informationsbereicherung - beispielsweise beginnt ein Fahrer bei eigener Überlastung auf die Regelkonformität anderer Fahrer zu bauen

 

·                      Information und Zielverarbeitung – beispielsweise beginnt ein Fahrer bei sich mehr mit einem Navigationssystem als mit der Fahraufgabe zu beschäftigen
 
Über die Beschreibung der kognitiven Kopplung der Situation und der Informationsverarbeitung sowie der kognitiven Verarbeitungsmechanismen, welche die Unterschiede zwischen der Situation und der Zustands des kognitiven Systems auflösen geling eine systematische Beschreibung wie Situation, kognitive Verarbeitung und Situationsbewusstsein miteinander in Beziehung stehen.
 
Damit ist eine systematische Analyse des Konzeptes SA geschaffen, welche eine Operationalisierung des Konzeptes erlaubt und damit eine Messung und eine Nutzung des Konzeptes für die Systemgestaltung.

 

Praktische Relevanz
 
Das Konzept Situationsbewusstsein ist wichtig für das Verständnis der aktiven Rolle des Menschen im technischen System. Dennoch ist die Messung des Konzeptes unbefriedigend. Der Artikel beschreibt einen Ansatz der Operationalisierung des Konzeptes Situationsbewusstsein, welche eine systematische Operationalisierung erlaubt und hierüber eine Nutzung des Konzeptes in der Systemgestaltung.
 


Verbesserung des Situationsbewusstseins in zeit- und sicherheitskritischen Verkehrssituationen durch semantische Anreicherung von Warnsignalen

Autor: Nicola Fricke, Manfred Thüring

Schlüsselwörter: Semantische Anreicherung, Situationsbewusstsein, Fahrsimulator, Kollisionswarnung

Zusammenfassung
 
In zeit- und sicherheitskritischen Situation ist der Aufbau eines angemessenen Situationsbewusstseins und damit ein rechtzeitiges Reagieren auf Gefahren oft nur schwer zu erreichen. Aus diesem Grund sollten Fahrer durch eine geeignete Warnungen unterstützt werden. In mehreren aufeinander aufbauenden Studien wurden eine semantisch angereicherte Warnung mit Information über das Gefahrenobjekt und seine Position gegenüber einfachen Tonwarnungen in Kollisionssituationen getestet. Für eine dynamische Fahrsituation zeigte sich ein positiver Effekt durch eine semantisch angereicherte Warnung, die Information über die Position einer Gefahr visuell durch eine LED-Leiste übermittelte in Kombination mit einer akustischen Warnung. Für eine Auffahrsituation zeigte sich zusätzlich ein Vorteil des Auditory Icons eines Bremsgeräuschs im Vergleich zu einem einfachen Ton. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein Auditory Icon in Kombination mit einer visuell dargebotenen, räumlichen Information das Situationsbewusstsein erhöhen und schnelle Reaktionen ermöglichen kann.

Praktische Relevanz
 
Dieser Beitrag zeigt wie durch eine sinnvolle Kombination von aufeinander aufbauenden Studien Erkenntnisse für die Gestaltung von Kollisionswarnungen erreicht werden können, die das Ziel haben, zu einer Erhöhung des Situationsbewusstseins in zeit- und sicherheitskritischen Situationen beizutragen.  Nach den Ergebnissen der Studien weist einiges darauf hin, dass nicht-sprachliche Warnungen, die nach dem Prinzip der semantischen Anreicherung gestaltet werden und Information über die Art der Gefahr und deren Position übermitteln, die Bewältigung von Gefahrensituationen unterstützen können.
 


Anwendungen des Konzepts 'Situationsbewusstsein' in der Aeronautik und im Automobilbereich: Empirische Befunde und Empfehlungen

Autoren: Jerome Barbe, Lucas Stephane

Schlüsselwörter: Situationsbewusstsein, subjektive Bewertungsverfahren, SAGAT, CC-SART, domänenvergleichende Studien, Domänen Automobil und Aeronautik

Zusammenfassung
 
Im vorliegenden Beitrag wird eine Übersicht über die Entwicklung von Methoden zur Erfassung von Situationsbewusstsein (Situation Awareness, SA) im Kontext hochautomatisierter Onboard-Systeme gegeben. Das Hauptaugenmerk wird dabei auf zwei Methoden, die „Situation Awareness Global Assessment Technique“ (SAGAT) und „Cognitive Compatibility Situation Awareness Rating Technique“ (CC-SART) gelegt und die Art, in der sie an die Erfordernisse der Anwendung in Experimenten in Flugzeugen der zivilen Luftfahrt sowie im Cockpit eines Pkw angepasst wurden. Durch die Anwendung von SA Methoden versuchen wir Angemessenheit der Instrumente für die Nutzer zu verbessern und somit Sicherheitsrisiken zu verringern. Ziel der drei Experimente (eines aus dem Automobilbereich, zwei aus der Aeronautik), über die im vorliegenden Beitrag berichtet wird, ist es zu zeigen, wie diese Methoden eingesetzt werden und welche Ergebnisse man aufgrund dessen zu erwarten hat.
 
Das Experiment im Automobilbereich wurde durchgeführt, um die Auswirkungen eines neuen „Eco-Drive“-Systems auf das Situationsbewusstsein des Fahrers festzustellen. Dieses System zielt ab auf eine Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs zum einen durch eine Optimierung der Onboard-Energie und zum anderen durch eine Schnittstelle, die dem Fahrer eine Optimierung seines Fahrerverhaltens ermöglicht. SA als eine Schlüsselvariable bei der Validierung dieses Systems angesehen werden. Insbesondere führt dieses „Eco-Drive“-System zu einer Veränderung des Fahrerverhaltens unter Beteiligung des visuellen und des auditiven Kanals. Daher sind direkte Einflüsse auf die SA zu erwarten. Zur Validierung der Designalternativen wurde die SAGAT Methode verwendet, wozu im Fahrsimulator drei Szenarien definiert wurden. Bei der SAGAT Methode wird die Simulation an einer bestimmten Stelle durch vollständiges Abdunkeln des Bildschirms „eingefroren“ und die Versuchsperson wird sodann zur Situation befragt. In diesem Falle hatten die Fahrer Fragen zum Zustand des Fahrzeugs, des Systems und der Verkehrsumgebung beantworten. In den Ergebnissen zeigten sich keine Unterschiede in der Qualität der Antworten zwischen den Untersuchungsbedingungen mit und ohne System, d.h. beide Gruppen zeigten etwa das gleiche Leistungsniveau in allen drei Szenarien. Auswirkungen des Systems auf das Situationsbewusstsein der Fahrer waren somit nicht feststellbar. Insbesondere bei den Fragen zum Systemzustand war die Qualität der Antworten sehr hoch, während sich Schwierigkeiten bei den Fragen zur Verkehrsumgebung andeuteten.
 
Die Zielapplikation bei den zwei Studien aus dem Bereich der Aeronautik ist das „Global Awareness Reinforcement Display“ (GARD). GARD ist ein dreidimensionales synthetisches Sichtsystem, dessen Hauptfunktion in der Überwachung besteht. In den beiden Experimenten wurden Methoden zur Erfassung von SA und Eye Tracking eingesetzt. Die Darstellung schließt auch die Iterationen der Evaluation im Entwicklungsprozess vom Konzept bis hin zu fertigen Instrument mit ein. Die erste Evaluation von GARD als Simulation am Bildschirm zielte auf die Bewertung von dessen intrinsischer Konsistenz vor der Integration im Flugzeugcockpit. Als abhängige Variable diente SA hinsichtlich der visuellen Szenerie. Diese Variable setzt sich zusammen aus den Betrachtungsorten (point of gaze), die mit dem Eye Tracker erfasst wurden und den SA Maßen CC-SART und SAGAT. Beide Methoden kamen in drei Szenarien zum Einsatz, in der die dreidimensionale visuelle Szenerie „eingefroren“ wurde. Für beide Verfahren wurde dem Piloten die „eingefrorene“ Szene gezeigt. Die angehaltene, aber nicht verborgene Szene ermöglicht die Einschätzung des SA relativ zu spezifischen Elementen wie z.B. dem Flugplan. Das unterscheidet das Vorgehen von der üblichen Anwendungsweise von SAGAT. Im zweiten Experiment wurde GARD in das Cockpit eines Flugsimulators integriert. Die Untersuchungsvariable waren mit Ausnahme des Eye Trackers dieselben wie im vorangegangenen Experiment. Die Anwendung beider SA Methoden ermöglichte die Validierung der meisten Designoptionen sowie die Formulierung von Empfehlungen und die Identifizierung von Lerneffekten.
 
In der abschließenden Diskussion werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Anwendung von SA Methoden im Automobilbereich und in der Aeronautik aufgezeigt. Weiterhin werden Empfehlungen für die Anwendung der SA Methoden formuliert und deren spezifische Vor- und Nachteile bei der Evaluation unserer Zielapplikationen aufgezeigt.

Praktische Relevanz
 
Ziel des vorliegenden Beitrags ist es zu zeigen, wie Methoden zur Erfassung von Situationsbewusstsein in frühen Phasen des Entwicklungs- wie auch des Evaluationsprozesses von Onboard-Systemen genutzt werden können. Subjektive Verfahren wie SAGAT oder CC-SART kamen in domänenvergleichenden Studien zur Anwendung. Gemeinsamkeiten und Unterschiede  bei der Anwendung werden für den Automobilbereich und den Flugbereich unter Berücksichtigung der jeweiligen Besonderheiten herausgearbeite


Ausgabe 2/2009

Gesellschaftliche Knotenpunkte arbeitspolitischer Programmentwicklung in Deutschland

Autoren: Günter Neubauer und Paul Oehlke

Schlüsselwörter: Arbeitsforschung und Arbeitspolitik, Humanisierung der Arbeit und Qualität der Arbeit, sozial orientierte Forschungs- und Technologiepolitik, institutionalisierte Beteiligungsformen und gesellschaftliche Kräftekonstellation, demokratischer Sozialstaat und regulierte Märkte

Zusammenfassung

Der Beitrag versucht das häufig vernachlässigte Verhältnis zwischen der politischen Großwetterlage und dem Binnenklima der arbeitspolitischen Programmentwicklung anhand zentraler gesellschaftlicher Knotenpunkte herauszuarbeiten. Arbeitspolitischen Protagonisten gelang es, die gesellschaftlichen Reformimpulse seit Ende der 1960er Jahre in ein staatliches Humanisierungsprogramm umzusetzen. Institutionalisierte Beteiligungsformen beförderten eine arbeitspolitische Kräftekonstellation, die im Zuge der neoliberalen Freisetzung der Marktkräfte an Gewicht verloren hat. Chancen einer humanisierungspolitischen Renaissance entstehen jedoch in der aktuellen Krise, die ordnungspolitische Regulative und öffentliche Interventionen wieder auf die Tagesordnung stellt.

Praktische Relevanz

Die Analyse von gesellschaftlichen Determinanten arbeitspolitischer Programme kann ein tieferes Verständnis über die praktische Relevanz arbeitswissenschaftlicher Förderaktivitäten und der Auswahlkriterien von Forschungsgegenständen vermitteln. Damit dürfte sich zugleich die Einschätzung über breitere Umsetzungschancen von Forschungsergebnissen verbessern. Es gilt daher, ein refl exives Verhältnis zur Kontextabhängigkeit eigener Beiträge zur konkreten Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen zu entwickeln.


Umsetzungskonzepte im Humanisierungsprogramm - und was man daraus für heute lernen könnte

Autoren: Gerd Peter und Willi Pöhler


Das HdA-Programm - Ausbruch aus der traditionellen Technologiepolitik

Autoren: Hans Matthöfer und Hans-Henning Herzog


Humanisierung des Arbeitslebens - Ein sozial- und forschungspolitisches Lehrstück

Autoren: Hans-Jürgen Bieneck
 


Der Beitrag des HDA-Programms für die Weiterentwicklung des Arbeitsschutzes

Autoren: Karl Kuhn
 


Erfahrungen aus dem VW-Projekt

Autor: Eberhard Ulich


Wahlarbeitszeit - ein Zukunftsmodell

Autoren: Peter Knauth


Arbeits- und Gesundheitsschutz: Vom Sicherheitsbeauftragten zum integrativen Managementsystem als Teil eines Corporate Social Responsibility Konzeptes

Autoren: Klaus J. Zink


Kriterien menschengerechter Arbeit im Lohnrahmentarifvertrag II / Manteltarifvertrag von 1973

Autoren: Franz Steinkühler


Es war manches positiv - aber auch nicht alles sinnvoll: Ein Rückblick auf 35 Jahre staatliche geförderte Arbeitsforschung

Autoren: Norbert Baszenski, Sascha Stowasser und Norbert Breutmann


Grenzen der Übertragbarkeit der HdA-Forschung auf die heutige Arbeitsforschung

Autoren: Ekkehart Frieling


Gender - eine unverzichtbare Perspektive in einem neuen Humanisierungsprogramm

Autoren: Irene Raehlmann


Zur Aktualität des Konzepts der „Betrieblichen Lebenswelt“

Autoren: Eva Senghaas-Knobloch

Schlüsselwörter: Subjektive Bewältigungsstrategien, Subjektivierung der Arbeit, organisationale Achtsamkeit

Zusammenfassung

Das Konzept der „betrieblichen Lebenswelt“ wurde im Zusammenhang mit der Analyse subjektiver, situationstypischer Bewältigungsformen in einem Industrieunternehmen Anfang der 1980er Jahre entwickelt. Spätestens seit der Jahrhundertwende werden in der Arbeits- und Industriesoziologie ganz neue Beanspruchungen der Menschen durch sog. Atypische Beschäftigungsformen, veränderte Managementstrategien und Führungskonzepte identifi ziert und mit Hilfe des Konzepts der „Subjektivierung“ zu erfassen versucht. Es wird aufgezeigt, dass in dem Konzept der „Subjektivierung“ allerdings Erkenntnisse über Subjektivität und unbewusste Anteile subjektiver Bewältigungsstrategien, die dem Konzept der „betrieblichen Lebenswelt“ zugrunde liegen und ein Handeln gegen eigene Interessen erklären können, nicht aufgehoben sind.

Praktische Relevanz

Wenn heute in der arbeitsbezogenen Gesundheitsforschung die Zunahme insbesondere von psychischen Erkrankungen wie Stresssymptomen und Burnout (BKK 2008; Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen 2008) konstatiert wird, so deuten diese daraufhin, dass es auch im gegenwärtigen Kontext Anforderungen an die „psychische Ökonomie der Arbeit“ (Volmerg 1990) gibt, die auf die bleibende Fruchtbarkeit des Konzepts der „betrieblichen Lebenswelt“ sowie seine analytischen und gestaltungsbezogenen Möglichkeiten verweisen, die mit dem Konzept „organisatorischer Achtsamkeit“ benannt werden.


Parallelentwicklungen in der DDR zur „Humanisierung des Arbeitslebens“ (HdA)

Autoren: Manfred Arendt, Herbert Hartig, Dieter Szewczyk, Jürgen Kupfer


Arbeitswissenschaft im „Humanisierungsdiskurs“ - Eine Retrospektive

Autoren: Friedrich Fürstenberg

Schlüsselwörter: Arbeitsforschung, Arbeitspolitik, Arbeitswirtschaft, Arbeitswissenschaft interdisziplinär, Arbeitswiss. Forschung

Zusammenfassung

In den 70er/80er Jahren des 20. Jahrhunderts gewann die deutschsprachige Arbeitswissenschaft einen Grundkonsens über ihr Selbstverständnis als interdisziplinär zu organisierende Wissenschaft von der menschlichen Arbeit, die ihre in den Teildisziplinen gewonnenen Erkenntnisse integrativ umsetzt. Aus den Erfahrungen mit den damals für die Arbeitswissenschaftsentwicklung (Forschung; Lehre; Weiterbildung; Institutionalisierung in Bildungswesen und Wirtschaft) förderlichen Bedingungen und deren Ausprägung u. a. als Forschungsprogramme (HdA-, AuT-, …) werden evaluierend Folgerungen für die Entwicklung von Arbeitswissenschaft und Arbeitsforschung erörtert. Hierbei wird „Humanisierung der Arbeit“ als Handlungs- und Verhandlungsprozess gesehen, in dem die Akteure gemäß ihrem jeweiligen Verwertungs-, Erhaltungs- und Gestaltungsinteresse handeln.

Praktische Relevanz

Der Beitrag begreift sich als eine Zusammenfassung wesentlicher Aussagen der vorangegangenen Aufsätze in der Förderung der Anwendung interdisziplinär gewonnener arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse zur menschengerechten Gestaltung der Arbeit. Er skizziert Evaluierungsansätze und beschreibt humane Arbeit als ein sozial kulturelles Entwicklungsprojekt. Gleichzeitig ist er ein Plädoyer für eine Fortschreibung der Förderprogramme der Arbeitsforschung auf nationaler und transnationaler Ebene.


Arbeitswissenschaftliche Bewertung des DGB-Index ‘Gute Arbeit’

Autoren: Jochen Prümper und Gottfried Richenhagen

Schlüsselwörter: DGB-Index ‘Gute Arbeit’, Belastungen/Beanspruchungen, Ressourcen, Einkommen, Wissenschaftliche Gütekriterien

Zusammenfassung

Der DGB-Index ‘Gute Arbeit’ erhebt den Anspruch, auf wissenschaftlicher Grundlage eine fundierte Berichterstattung über die Arbeitsqualität in Deutschland zu liefern. Dieser Beitrag setzt sich aus arbeitswissenschaftlicher Sicht kritisch mit diesem Index auseinander und begründet ausführlich, warum seine Anwendung – trotz der zugrunde liegenden guten Idee – nicht empfohlen werden kann: Die wissenschaftlichen Gütekriterien werden nicht überprüft, die Bewertungsmethodik enthält Konstruktionsfehler, der Index eignet sich in der vorliegenden Form nicht für die betriebliche Anwendung und der Grenzwert sowie das Berechnungsverfahren sind dabei so gewählt, dass von vornherein nur sehr wenige Arbeitsplätze das Prädikat „gute Arbeit“ erhalten können.

Praktische Relevanz

Der DGB-Index ‘Gute Arbeit’ soll nicht nur repräsentativ in Deutschland, sondern auch in einzelnen Unternehmen angewandt werden, um auf der Basis entsprechender Mitarbeiterbefragungen Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitssituation ableiten zu können. Aus diesem Grunde ist seine arbeitswissenschaftliche Fundierung von hoher praktischer Relevanz.


Ausgabe 3/2009

Zur Verschränkung von User Experience und Usability Engineering: Merkmale, Prinzipien und Vorgehensmodelle

Autoren: Hannes Gotthartsleitner, Peter Eberle und Christian Stary

Schlüsselwörter: Usability Engineering Life Cycle, SW-Entwicklungszyklus, User Experience, hedonistische Qualität, Usability

Zusammenfassung

Der Beitrag analysiert durch eine Aufarbeitung der vorhandenen Ansätze, welche Erweiterungen des traditionellen Usability Engineering sich durch das neue Konzept User Experience (UX) hinsichtlich der Ziele und Methoden zur Gestaltung interaktiver Systeme ergeben. Nach einem kurzen Überblick über beide Konzeptionen werden die proklamierten Ziele und Methoden von UX für den Gestaltungsprozess interaktiver Systeme vertieft. Die terminologische Diskussion von UX zeigt eine Vielfalt von Ansätzen. Bezüglich Gestaltung und Evaluierung lässt sich erkennen, dass UX-Vorgehensmodelle besonders im Rahmen der Analyse von Anforderungen und des Entwurfs durch Usability-Engineering-Techniken Berücksichtigung finden können. Mit Hilfe der vorliegenden Ergebnisse kann die praktische Anwendbarkeit von UX Konzepten im Rahmen der Entwicklung interaktiver Systemeverbessert werden.

Praktische Relevanz

Der Beitrag liefert einen Überblick über bestehende Konzepte zu UX und Usability Engineering. Darüber hinaus bringt er Anleitungen zu integriertem Vorgehen bei UX- und Usability- Engineering-basierten Entwicklungsansätzen.


Ergotyping im rechnerunterstützten Entwicklungs- und Gestaltungsprozess

Autoren: Christiane Kamusella und Martin Schmauder

Schlüsselwörter: Ergonomiewerkzeuge, Menschmodelle, Produktentwicklungsprozess, Digital Prototyping, Maschinensicherheit

Zusammenfassung

Der rechnerunterstützte Entwicklungs- und Gestaltungsprozess technischer Produkte und Systeme wird unter Nutzung digitaler Prototypen durchgeführt. Für ergonomiebezogene Aufgabenstellungen gelangen dabei Ergonomiewerkzeuge in Form digitaler Menschmodelle zur Anwendung. Die auf spezielle ergonomische Aspekte ausgerichteten Methoden und Werkzeuge können unter dem neuen Begriff Ergotyping, einem Kunstwort aus Ergonomie und Prototyping gefasst werden. Dieser Beitrag vermittelt einen generellen Überblick zur Einordnung des Ergotypings. Am Beispiel der Produktergonomie und einschränkend für den Bereich Maschinen werden künftige Zielstellungen zur Weiterentwicklung digitaler Ergonomiewerkzeuge diskutiert und begründet.

Praktische Relevanz

Digitale Menschmodelle als Ergonomiewerkzeuge besitzen vielseitige Funktionalitäten für Forschungs- und Entwicklungsaufgaben und helfen dabei, differenzierte ergonomische Anforderungen zu erfüllen. Dieser Beitrag lenkt das Augenmerk auf die vom Hersteller von Produkten verbindlich zu beachtenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen einschließlich der Ergonomie. Es sind noch beträchtliche Anstrengungen erforderlich, in diesem Sinne Ergonomiewerkzeuge um nutzbare Module zu ergänzen. Der Beitrag soll einen Rahmen dafür liefern.


Beurteilung von Systemen im Fahrzeug – welche Messmethoden sind geeignet?

Autoren: Bettina Abendroth, Ralph Bruder, Klaus Fuchs und Thomas Schramm


Teilautonome Roboter in Such- und Rettungseinsätzen – Potentialeinschätzung und Gestaltungsvorstellungen aus der Anwenderperspektive

Autoren: Michael Knoll, Peter Protzel und Peter Sedlmeier

Schlüsselwörter: Such- und Rettungsroboter, Mensch-Roboter-Interaktion, Teilautonomie, Anwenderanforderungen

Zusammenfassung

In der vorliegenden Studie wurde untersucht, wie Rettungskräfte dem Einsatz teilautonomer Roboter in Such- und Rettungseinsätzen gegenüberstehen. Zentrale Themen waren die in Rettungseinsätzen ablaufenden Interaktionsprozesse, die Gestaltung der Roboter, relevante Funktionen und Eigenschaften von Robotern und Voraussetzungen für Akzeptanz der und Vertrauen in die Zusammenarbeit mit teilautonomen Robotern. Die Ergebnisse der Studie stützen sich auf Telefoninterviews, zwei Forschungskolloquien mit hochrangigen Experten von Feuerwehr und THW und eine Fragebogenstudie mit Einsatzkräften der Bereiche Feuerwehr, THW, Polizei, Johanniter und DRK. Die potentiellen Anwender – Rettungskräfte in Leitungsfunktionen – schätzen Such- und Rettungsroboter dann als hilfreich ein, wenn sie durch deren Einsatz entlastet werden und wenn spezifische Funktionen der Roboter die Möglichkeiten der Rettungsmannschaften ergänzen und erweitern. Kritisch werden der Direktkontakt mit Opfern und das Abtreten von Entscheidungsbefugnissen gesehen. Die Vorschläge zur Einbindung in die Einsatzstruktur stellen wichtige Ergänzungen zur technikorientierten Roboterentwicklung dar.

Praktische Relevanz

Indem die Studie Präferenzen und Vorstellungen der potentiellen Anwender herausarbeitet, leistet sie einen Beitrag dazu, teilautonome Such- und Rettungsroboter ihrem tatsächlichen Einsatzfeld entsprechend zu gestalten und verhindert ressourcenintensive Fehlentwicklungen, wie sie durch rein technikfokussiertes Vorgehen zu befürchten sind. Durch die Thematisierung der häufig vernachlässigten Einbindung der Roboter in Interaktions- und Kommunikationsprozesse geht die Studie über den rein ergonomischen Anwendungsbezug hinaus und ermöglicht Anknüpfungspunkte zu den Sozialwissenschaften.


Situationsbewusstsein und Automation bei Arbeitsplätzen der Marine

Autoren: Heiko Tietze und Heino Widdel

Schlüsselwörter: Situationsbewusstsein, Automation, Assistenzsystem

Zusammenfassung

Die Luftlagebewertung der Marine erfordert durch eine Vielzahl neuartiger und verbesserter Sensoren sowie neuer Anforderungen an den operativen militärischen Einsatz Assistenzsysteme, die den Systembediener unterstützen und bei seiner Tätigkeit entlasten. In einer experimentellen Untersuchung mit Einsatzoffizieren der Marine wurde geprüft, ob und in welchem Ausmaß das Situationsbewusstsein (SB) durch ein System zur Entscheidungsunterstützung beeinflusst wird. Es zeigte sich, dass der Systembediener bei Nutzung des Assistenzsystems ein geringeres SB hatte. Allerdings wurden dabei tendenziell höhere Leistungsmaße gefunden. Als eine mögliche Ursache für diesen Effekt wird die durch eine Überwachung des Assistenzsystems bedingte Verlagerung des Aufgabenschwerpunkts des Bedieners diskutiert. Diese Aufgabenänderung sollte bei der ergonomischen Gestaltung automatisierter Arbeitsplätze Berücksichtigung finden.

Praktische Relevanz

Situationsbewusstsein hat sich als ein wichtiger Indikator für die ergonomische Bewertung von Mensch-Maschine-Systemen erwiesen und liefert neben subjektiven Bewertungen und der Erfassung von Leistungsmaßen zusätzliche Informationen zur Qualitätssicherung. Die hier gefundenen Ergebnisse sprechen für eine Minderung des SB unter Assistenzsystemen, die einer Kompensation durch operationelle oder technische Maßnahmen bedürfen.


Beurteilung muskulärer Beanspruchung bei Hand- Arm-Rumpf Bewegungen, die besondere Sorgfalt und Präzision erfordern

Autoren: Marianela Diaz Meyer & Kurt Landau

Schlüsselwörter: Delikate Objekte, instabile Objekte, EMG, Beanspruchungsempfindung, Bewegungsanalyse

Zusammenfassung

Delikate Arbeitsgegenstände (z. B. instabile Objekte, die mit Flüssigkeit gefüllt sind) machen wegen ihrer besonderen Beschaffenheit eine außerordentliche sorgfältige Handhabung bei vorhandenen Genauigkeitsanforderungen durch den Mitarbeiter erforderlich. Um die Handhabung instabiler Objekte zu erforschen, wurden Laborstudien mit 30 Versuchspersonen durchgeführt. Dabei wurden u. a. Elektromyogramme (EMG) mit Oberflächenelektroden an fünf Muskelgruppen gemessen sowie Befragungen über die subjektive Empfindung der Instabilität durchgeführt. Es wurde festgestellt, dass unterschiedliche Bewegungsstrategien benutzt wurden, um höhere Genauigkeitsanforderungen aufgrund der Objektinstabilität zu erfüllen. Die hochsignifikante Zunahme der elektrischen Aktivitäten bei der Handhabung gefüllter Objekte wies auf Abhängigkeit des Muskeleinsatzes vom Füllstand und damit der geforderten Bewegungsgenauigkeit hin. Der Füllstand wirkte sich ebenfalls signifikant auf die, durch die Versuchspersonen empfundene Instabilität aus.

Praktische Relevanz

Beispiele für die Handhabung delikater Objekte bzw. instabiler Objekte findet man in chemisch-pharmazeutischen Labors, im Gesundheitswesen, in der Nahrungsmittelproduktion, im Servicebereich oder bei der Durchführung von Wartungsarbeiten. Leistungs- und Beanspruchungsuntersuchungen aus arbeitswissenschaftlicher Sicht fehlen jedoch. Ebenso sind Beanspruchungsdaten für die digitale Menschmodellierung bei der Handhabung instabiler Objekte erforderlich.


Ausgabe 4/2009

Erfolgreich Arbeiten: Qualifizierter. Flexibler. Gesünder. Das arbeitspolitische Rahmenkonzept zur Entwicklung und Förderung der Beschäftigungsfähigkeit in Nordrhein-Westfalen

Autoren: Uwe Loß, Roland Matzdorf, Gottfried Richenhagen, Willi Riepert

Zusammenfassung

Gegenstand des vorliegenden Beitrages ist das arbeitspolitische Rahmenkonzept zur Entwicklung und Förderung von Beschäftigungsfähigkeit, das vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen entwickelt wurde. Ausgehend von einer kurzen Darstellung der gesellschaftlichen und vor allem der wirtschaftlichen Bedingungen, die dieses Konzept induziert haben, und einer Definition des Begriffes Beschäftigungsfähigkeit werden zunächst Ziel, Adressaten und Handlungsfelder erläutert. Im Anschluss daran findet sich eine kurze Beschreibung der verwendeten Instrumente und Förderangebote. Schließlich werden erste Ergebnisse referiert, die die Umsetzung dieses Konzeptes hervorgebracht hat. Das Fazit lautet: Durch das arbeitspolitische Konzept zur Entwicklung und Förderung der Beschäftigungsfähigkeit in Nordrhein-Westfalen werden Aktivitäten und Maßnahmen initiiert, die dazu beitragen, dass Unternehmen und Beschäftigte sich erfolgreich an Standorten und auf Märkten behaupten können. Es leistet somit einen arbeitspolitischen Beitrag zur Standortstärkung und –sicherung der Wirtschaft in NRW.


Beschäftigungsfähigkeit entwickeln und erhalten – Ansprüche aus gewerkschaftlicher Sicht

Autoren: Klaus Pickshaus, Heiko Spieker

Zusammenfassung

Der Beitrag plädiert aus gewerkschaftlicher Sicht für eine nachhaltige Unternehmenspolitik, die die Beschäftigungsfähigkeit als Ziel einschließt. Gute Arbeitsbedingungen erhöhen nachweislich die Beschäftigungsfähigkeit. Deshalb dürfen die Leistungsbedingungen und die Gestaltung der Arbeitsorganisation nicht einseitig an wirtschaftlichen Renditekennzahlen ausgerichtet sein, sondern müssen den Menschen und sein Arbeitsvermögen als Maß einschließen. Ein neues Präventionsverständnis schließt ein, Frühwarnsignale durch Befindlichkeitsstörungen und "Beinahe-Erkrankungen" ernst zu nehmen. Die Beteiligung der Beschäftigten an der Suche nach den Ursachen für Befindlichkeitsstörungen ist dabei unverzichtbar. Eigenverantwortung und Veränderungsbereitschaft bei den Beschäftigten setzen klare Rahmenbedingungen voraus, die die Unternehmen sichern müssen. Dazu zählen die Stabilität der Beschäftigungsverhältnisse ebenso wie die Partizipation der Beschäftigten an der Planung ihres Erwerbsverlaufes. Dies schafft die Voraussetzung für notwendige frühzeitige Tätigkeitswechsel bei Tätigkeiten mit begrenzter Ausführungsdauer. Ohne Beteiligung an der Planung, ohne Mitbestimmung und ohne verlässliche Beschäftigungsverhältnisse kann eine Mitwirkungspflicht des Einzelnen am Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit nicht eingeklagt werden.


Beschäftigungsfähigkeit erhalten – Eigenverantwortung stärken

Autoren: Alexander Böhne, Norbert Breutmann


Gesundheitskompetenz und Präventionskultur – Indikatoren für Gesundheit und Erfolg in Unternehmen: ein praktisches Handlungsmodell

Autoren: Ralf Schweer, Ulf Krummreich

Schlüsselwörter: Gesundheitskompetenz, Präventionskultur, Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA), Beschäftigungsfähigkeit, Modellentwicklung

Zusammenfassung

Ausgehend von Anforderungen der gewandelten Arbeitswelt wird vor dem Hintergrund der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie ein integriertes Handlungsmodell für gesundes und erfolgreiches Arbeiten entwickelt. Dieses basiert zum einen auf dem Indikator Gesundheitskompetenz und zum anderen auf der Präventionskultur. Es werden drei unterschiedliche Entwicklungsstufen postuliert, die als Orientierung und Entwicklungsmöglichkeit für Unternehmen dienen können. Das Model verfolgt hierbei zwei Ziele:

1.)            Gesundheit und Sicherheit in die Kernprozesse eines Unternehmens zu implementieren.

2.)            Den einzelnen Mitarbeiter in seiner Gesundheitskompetenz zu stärken und so die Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten.

Praktische Relevanz

Das integrierte Modell der Gesundheitskompetenz und Präventionskultur bietet den Unternehmen eine klare Orientierung über die eigene Präventionskultur und die Kompetenzen der Mitarbeiter. Sowohl auf Ebene des Mitarbeiters, als auch auf der Ebene der Organisation, lassen sich so geeignete Benchmarks entwickeln, die es ermöglichen, Maßnahmen zu Erreichung der folgenden Entwicklungsstufen zu generieren. Darüber hinaus findet das Konzept Eingang in die Gemeinsame Deutsche Arbeitschutzstrategie und beeinflusst daher grundlegend die Ausrichtung der Prävention in Deutschland.



Wuppertaler Gesundheitsindex für Unternehmen (WGU)

Autoren: Mike Hammes, Rainer Wieland, Sandra Winizuk

Schlüsselwörter: Gesundheitsindex, Beanspruchung, körperliche Beschwerden, Absentismus, Präsentismus

 

Zusammenfassung

In diesem Beitrag wird ein ressourcenbezogener Index zur Erfassung und Bewertung des Gesundheitspotenzials von Unternehmen vorgestellt. Der Nutzen des Instruments liegt in der ganzheitlichen Diagnose des Gesundheitspotenzials eines Unternehmens und eignet sich somit dazu, eine wichtige Voraussetzung für Unternehmen abzubilden, die Beschäftigungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu erhalten oder zu verbessern. Anhand der Daten aus zwei Studien wird gezeigt, wie sich das hier vorgeschlagene Kennwert-Modell konkret umsetzen und hinsichtlich seiner prognostischen Validität überprüfen lässt.

 

Praktische Relevanz

Der Wuppertaler Gesundheitsindex für Unternehmen ist geeignet, das Gesundheitspotenzial von Unternehmen und Abteilungen abzuschätzen und darauf aufbauend gesicherte Aussagen über die Häufigkeiten körperlicher Beschwerden sowie das Ausmaß von Absentismus und Präsentismus zu treffen und demnach über Größen, die sich letztlich im Unternehmenserfolg, der Leistung, der Beschäftigungsfähigkeit u. v. a. widerspiegelt. Als Index eignet er sich, sowohl den Ist-Stand des betrieblichen Gesundheitspotenzials als auch den Verlauf des Standes übersichtlich wiederzugeben und ordnet sich damit in gängige Controlling-Praxis ein. Da er gerade im Hinblick auf die Häufigkeit körperlicher Beschwerden bis zu vier Stufen des Gesundheitspotenzials unterscheiden kann, ermöglicht er, Gruppen von Beschäftigten ausfindig zu machen, für die Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements besonders angezeigt sind.


Multimediale Simulation und Einübung von Verhaltensmustern im Arbeitsschutz zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit

Autoren: Yvonne Ferreira, Verena Bopp, Ralph Bruder

Schlüsselwörter: Arbeitsschutz, Stress, Heben und Tragen von Lasten, ältere Mitarbeiter/-innen, Gender, Mainstreaming

Zusammenfassung

Die Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit kann auf individueller und organisationaler Ebene angestrebt und erzielt werden. Die hier vorgestellte Software bietet für beide Ebenen Hilfen in den Bereichen Heben und Tragen von Lasten und Stressprävention.

Praktische Relevanz

Motivierende Instrumente zur Verbesserung der individuellen Beschäftigungsfähigkeit tragen nicht nur zu einer Kostenersparnis im Betrieb bei (beispielsweise Verringerung der Fehlzeiten) sondern unterstützten die Mitarbeiter/-innen auch darin, durch gesundheitliches Wohlbefi nden ihre Lebensqualität zu steigern.


Arbeit – Psyche – Rückenschmerzen: Einflussfaktoren auf die Beschäftigungsfähigkeit und betriebliche Präventionsstrategien

Autoren: Peter Stadler, Erika Spieß

Schlüsselwörter: Beschäftigungsfähigkeit, psychosoziale Belastungen, arbeitsbedingte Risikofaktoren, Rückenschmerzen, Gesundheitsförderung

Zusammenfassung

Der Beitrag befasst sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels mit der Volkskrankheit Nummer 1 – den Rückenschmerzen – und deren psychosozialen Einflussfaktoren im Kontext der Arbeit. Auf Basis einer Literaturrecherche wurden Risikofaktoren ermittelt und Strategien zur Förderung der Beschäftigungsfähigkeit abgeleitet. Die Ergebnisse zeigen, dass der eigenständige Beitrag arbeitsbedingter psychosozialer Risikofaktoren zur Entstehung und Chronifizierung von Rückenschmerzen kaum zu unterschätzen ist.

Praktische Relevanz

Aus den Ergebnissen der Recherchen werden wichtige Schritte zur Prävention wie z. B. arbeitsorganisatorische Maßnahmen und Strategien zur Förderung des Sozialklimas abgeleitet.