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TITEL, ZUSAMMENFASSUNGEN,
AUTOREN UND SCHLÜSSELWÖRTER DER BEITRÄGE AB AUSGABE 1/2008 |
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| 1/2008 |
Beitrag psychologischer Erkenntnisse und Methoden zur Bewertung von Fahrerassistenzsystemen (FAS)
Wie beurteilt man sicherheitskritische Fahrerassistenzsysteme?
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| 2/2008 |
Integration arbeitswissenschaftlicher Aspekte in ein lebenszyklusorientiertes Produktmanagement Programme in Menschengestalt: Digitale Menschmodelle für CAx- und PLM-Systeme Persönliche Ziele, Organisationsziele und Indikatoren der Arbeitsbeanspruchung Eine Validierungsstudie des EFQM-Modells für Excellence aus arbeitspsychologischer Perspektive
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| 3/2008 |
Vorschau der Bewegungstrajektorie in Fahrzeugen mittels kontaktanaloger
Anzeige: Evaluation mittels Registrierung der Blickbewegungen
Grenzen der CCD-Miniaturisierung Komplexitätsbewertung visueller Suchprozesse bei der Mensch-Computer-Interaktion Wechselwirkungen im Augen – Nacken/Schulter Bereich bei anstrengender Naharbeit Feldstudie zur Untersuchung der Eignung verschiedener Gleitsichtgläser Eine explorative Studie zu Augenbewegungen im Büroalltag Schallschutz bei Musikern gemäß der neuen EU-Richtlinie 2003/10/EG 35 Jahre „Menschengerechte Gestaltung der Arbeit“ (MGdA) – Für eine neue Humanisierungsinitiative
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| 4/2008 |
Physiologische Reaktionen von Herzschlagfrequenz und Blutdruck beim Kommissionieren in tiefer Kälte Manuelle Einschränkungen durch Kälteexposition der Hände Der PSI (Physiological Strain InDex) bei Akklimatisation an Hitzebelastung
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Autoren: Stephan Lorenz, Ralf Kaiser, Ernst Assmann, Florian Engstler, Rolf Zöllner Schlüsselwörter: Virtual Reality, Mixed Reality, Ergonomieabsicherung im Fahrzeug, Sitzposition Zusammenfassung An einem konkreten industriellen System werden Grundlagenuntersuchungen zur Prozessintegration von Virtual Reality in die Ergonomie-Absicherung im Fahrzeug durchgeführt. Hierzu wird die Sitzposition im Virtual Reality System und im Realfahrzeug verglichen. Der Einfluss verschiedener Vorgehensweisen auf die Sitzposition wird untersucht und damit eine Vorgehensweise entwickelt, mit der Probanden in diesem System trotz systembedingter Störeinflüsse eine dem Realfahrzeug vergleichbare Sitzposition einnehmen. Praktische Relevanz
Die vorliegende Studie liefert mit
Grundlagenversuchen zur Wahl einer realistischen Sitzposition in Mixed
Reality Systemen eine Vorgehensweise für deren Einsatz in
Ergonomieuntersuchungen an Fahrzeugen. Das Ergebnis ist spezifisch für
die konkrete Versuchsumgebung, die Methode der Untersuchung kann aber
auf andere Bedingungen übertragen werden. Beitrag psychologischer Erkenntnisse und Methoden zur Bewertung von Fahrerassistenzsystemen (FAS) Autoren: Wolfgang Fastenmeier und Herbert Gstalter Schlüsselwörter: Fahraufgaben, Anforderungsanalyse, Fahrerassistenzsysteme, Nutzenabschätzung, Fahrer-Fahrzeug-Schnittstelle Zusammenfassung Der Beitrag diskutiert Problembereiche, Gestaltungsaufgaben und psychologische Erkenntnisse bei Entwurf und Konstruktion von Fahrerassistenzsystemen (FAS). Bislang existiert kein Standardverfahren, um Nutzen und Risiko neuer FAS identifizieren und bewerten zu können. In einer beispielhaften Anwendung der Fahraufgabenmethodik SAFE werden Anforderungen an den Fahrer verglichen, je nachdem, ob sie mit oder ohne FAS bewältigt werden müssen und wie sich die FAS-Komponenten auf Komplexität und Risiko einzelner Teilaufgaben auswirken. Effekte ergaben sich nicht nur in einer verdichteten Bewertung, sondern ließen sich auch in einzelnen Anforderungskategorien nachweisen. Somit erscheint eine Methodik wie SAFE auch gut für solche Zwecke einsetzbar Praktische Relevanz
FAS verändern die Aufgabenteilung
zwischen Fahrer und Fahrzeug und modifizieren dadurch die mentalen und
psychomotorischen Leistungen, mit denen der Fahrer die jeweiligen
Fahraufgaben bewältigt. Eine Fahraufgaben- und Anforderungsanalyse mit
SAFE erlaubt nicht nur eine prospektive Nutzen- und Risikobewertung
eines FAS unabhängig von Fahrerbeobachtungen in Simulator- und
Feldstudien, sondern ist auch als iteratives Design-Werkzeug einsetzbar,
mit dem verschiedene Spezifikationen des Fahrer-Fahrzeug-Systems
modelliert und bewertet werden können.
Wie beurteilt man sicherheitskritische Fahrerassistenzsysteme? Autoren: Nicola Fricke, Mónica De Filippis und Manfred Thüring Schlüsselwörter: Fahrerassistenzsystem, Fahrsimulator, Kollisionswarnung Zusammenfassung Am Beispiel von Kollisionswarnungen wird die Notwendigkeit der Erfassung von spontanem Fahrverhalten zur Beurteilung sicherheitskritischer Fahrerassistenzsysteme dargelegt. Zudem werden die Ergebnisse der Untersuchung verschiedener Kollisionswarnungen mittels einer Fahrsimulatorstudie anhand gängiger abhängiger Variablen wie Bremsreaktionszeit und Anzahl der Kollisionen aber auch neuartiger Betrachtungsweisen wie Reaktionsmuster berichtet. In der hier dargestellten Studie werden die Warntypen „einfacher Ton“, „räumlicher Ton“, „räumliches Geräusch“ und „keine Warnung“ aufgrund dieser Parameter beurteilt. Es zeigen sich Vorteile der einfachen Tonwarnung in den gängigen Parametern, hingegen Hinweise auf angemessenere Reaktionen durch die neuartigen, räumlichen Warnungen. Praktische Relevanz
Mit dem Beitrag wird die
Untersuchungsmethode der Erfassung spontaner Fahrreaktionen in einem
Fahrsimulator vorgestellt, welche es erlaubt Schlussfolgerungen über die
Nützlichkeit sicherheitskritischer Fahrerassistenzsysteme - am Beispiel
Kollisionswarnungen - zu ziehen. Neben traditionellen Variablen wie
Bremsreaktionszeit und Anzahl der Kollisionen wird auch eine einfache
Analyse der Reaktionsmuster dargestellt. Der arbeitswissenschaftliche
Praktiker erhält anhand der dargestellten Vorgehensweise und der
Diskussion der Studie und ihrer Ergebnisse Erkenntnisse für die
Gestaltung und Beurteilung sicherheitskritischer Fahrerassistenzsysteme. Autoren: Manfred Rentzsch, Denis Seliger Schlüsselwörter: Eisenbahnverkehr, Ergonomie, Führertisch, Mastercontroller Zusammenfassung Zum Steuern von schienengebundenen Fahrzeugen werden das Fahren und Bremsen sowie die Überprüfung der Wachsamkeit in einem Bedienelement, dem sog. Mastercontroller als neues Bedienkonzept vereinigt. Dieses multifunktionale Bedienelement wurde auf einem Führertisch für Lokomotiven und Triebfahrzeuge installiert und von Lokführern verschiedener europäischer Bahnen getestet. Mastercontroller und Design des Führertisches werden positiv beurteilt und finden die Akzeptanz der Lokführer. Praktische Relevanz Es wurde ein Führertisch für Schienenfahrzeuge entwickelt und erfolgreich getestet, der für den grenzüberschreitenden Schienenverkehr geeignet ist und eine optimale Beanspruchung des Lokführers gewährleistet. Weiterhin sind gesicherte arbeitswissenschaftliche und technische Erkenntnisse zur Überarbeitung einer UIC-Richtlinie für die Gestaltung von Führerräumen von Lokomotiven und Triebfahrzeugen abgeleitet worden. Menschmodelle in der PKW Entwicklung Autoren: Ernst Assmann, Ralf Kaiser, Florian Schaller, Peer-Oliver Wagner Multimodalität bei Anzeige- und Bedienkonzepten im Fahrzeug – ein Ansatz zur Akzeptanzsteigerung der Sprachbedienung? Autoren : Michael Mischke, Werner Hamberger und Birgit Spanner-Ulmer Leistungsmodell für den Transport instabiler Gegenstände Autoren : Marianela Diaz-Zeledon und Kurt Landau Integration arbeitswissenschaftlicher Aspekte in ein lebenszyklusorientiertes Produktmanagement Autor: Klaus J. Zink und Dunja B. Eberhard Schlüsselwörter: Produktergonomie, Produktionsergonomie, Produktentwicklung, Produktlebenszyklus, Produktmanagement Zusammenfassung Die schon seit längerer Zeit veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen (z.B. in Deutschland das Kreislaufwirtschaftsgesetz) machen es erforderlich, ein neues Konzept eines integrativen Produktmanagements zu realisieren. Am Beispiel der Modularisierung kann gezeigt werden, dass eine derartige Integration (bezogen auf die Schaffung organisatorischer Voraussetzungen und lebenszyklusorientierter Prozessentwicklung) es ermöglicht, bisher nicht oder nur in begrenztem Maße genutzte Vorteile auf Seiten des Unternehmens wie auch seiner Anspruchsgruppen (Stakeholder) entstehen zu lassen. Die Lebenszyklusbetrachtung erhöht zwar die Komplexität des Produktentwicklungsprozesses, bietet dafür aber eine Reihe ökonomischer Vorteile für Hersteller und Kunden aber auch qualitative Vorteile für die Mitarbeiter durch verbesserte Arbeitsbedingungen. Praktische Relevanz Die Produktentwicklung wird in der jüngeren Vergangenheit auch verstärkt durch gesetzliche Rahmenbedingungen im Kontext der Nachhaltigkeitsdiskussion (z.B. das „Kreislaufwirtschaftsgesetz“) geprägt. Darüber hinaus werden die Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit der Produkte für produzierende Unternehmen zunehmend als Differenzierungsmerkmal am Markt erkannt. Auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung kommt dem Thema Gebrauchstauglichkeit eine wachsende Bedeutung zu. Dies führt zu erweiterten Anforderungen an die Produkt- und Prozessgestaltung. Programme in Menschengestalt: Digitale Menschmodelle für CAx- und PLM-Systeme Autor: Jens Mühlstedt, Hans Kaußler und Birgit Spanner-Ulmer Schlüsselwörter: digitale Menschmodelle, rechnergestützte Konstruktion (CAD, CAx), Produktlebenszyklusmanagement (PLM), Produktgestaltung, Prozessgestaltung Zusammenfassung Digitale Menschmodelle sind wichtige Werkzeuge der Produkt- und Prozessentwicklung. In diesem Beitrag wird der Stand der Technik der Modelle, die in CAx- oder PLM-Systemen eingesetzt werden, dargelegt. Wichtige Eigenschaften der einzelnen Modelle sowie eine zusammenfassende Einschätzung der Vor- und Nachteile werden vorgestellt. Praktische Relevanz In der Forschung und Entwicklung von Unternehmen und an Hochschulen sind digitale Menschmodelle als „Werkzeuge“ im Einsatz und sollen zukünftig verstärkt eingesetzt werden mit dem Ziel, die Wirtschaftlichkeit durch eine ergonomische Produkt- und Produktionsgestaltung zu verbessern. Dieser Beitrag stellt einen Vergleich der wichtigsten Modelle an und liefert somit Hinweise für den Einsatz in der Praxis. Persönliche Ziele, Organisationsziele und Indikatoren der Arbeitsbeanspruchung Autor: Klaus-Helmut Schmidt und Barbara Neubach Schlüsselwörter: Person-Organisation-Passung, Zieldivergenz, Burnout Zusammenfassung Aufbauend auf empirischen Befunden der Literatur zur Passung zwischen Personen- und Organisationsmerkmalen ging die vorliegende Studie der Frage nach, ob die Divergenz zwischen persönlich verfolgten Zielen und Zielen der Organisation einen eigenständigen spezifi schen Einfl uss auf Indikatoren der psychischen Beanspruchung ausübt. Zur Beantwortung dieser Frage wurde ein Maß der Zieldivergenz in Kombination mit traditionellen Formen der Arbeitsbelastung in seinen Beanspruchungswirkungen untersucht. Die bei Beschäftigten einer großen Landesverwaltung erhobenen Daten belegen, dass die Zieldivergenz signifi kante zusätzliche Varianzanteile in Indikatoren der psychischen Beanspruchung aufklären. Mit einer Zunahme der Zieldivergenz geht ein Anstieg der psychischen Beanspruchung einher. Die zur diskriminanten Validierung dieser erwarteten Zusammenhänge zusätzlich erhobenen muskuloskelettalen Beschwerden spiegeln als Indikator physischer Beanspruchung dagegen keine vergleichbar starken Einfl üsse der Zieldivergenz wider. Praktische Relevanz Die adversen Wirkungen der Zieldivergenz auf Indikatoren der psychischen Beanspruchung legen bestimmte Strategien zur Verbesserung der Passung zwischen persönlichen Zielen und Zielen der Organisation nahe. Dies kann erreicht werden, in dem man (a) die Ziele der Organisation im Prozess der Personalrekrutierung klar und verständlich kommuniziert, (b) die persönlichen Ziel- und Werteprofi le der Bewerber im Rahmen von Personalauswahlverfahren erfasst und mit den Organisationszielen vergleicht, sowie (c) organisationsinterne Sozialisationsprozesse fördert, die eine präzise Vorstellung vom Auftrag und den Zielen der Organisation vermitteln. Eine Validierungsstudie des EFQM-Modells für Excellence aus arbeitspsychologischer Perspektive Autor: Sylvie Vincent Schlüsselwörter: Validierungsstudie, EFQM-Modell, Total Quality Management, Arbeitswissenschaft, Arbeitspsychologie Zusammenfassung Im Zentrum der vorliegenden Studie steht die Frage, ob der Total-Quality-Management-Ansatz originär arbeitswissenschaftliche Konzepte integriert, die die Gesundheits- und Persönlichkeitsförderlichkeit, als Zielsetzung humaner Arbeit, intendieren. Eine Analyse der Inhalte des europäischen Referenzmodells zur Implementierung von Total-Quality- Management-Strategien der European Foundation for Quality Management (EFQM) soll Aufschluss darüber geben, ob anhand des Modells tatsächlich Aspekte gemessen werden, die sich auf die Gesundheits- und Persönlichkeitsförderlichkeit der Arbeit beziehen. Kern der Untersuchung bilden Interviews zu den mitarbeiterbezogenen EFQM-Kriterien mit 25 Mitarbeitern eines Transport- und Logistikunternehmens in der Schweiz. Mittels einer Kombination von qualitativen und quantitativen Auswertungstechniken wurden 15 arbeitspsychologische Konstrukte aus dem Datenmaterial extrahiert und anhand der Multitrait-Multimethod-Methode nach Campbell und Fiske (1959) auf ihre Konstruktvalidität hin überprüft. Den Ergebnissen zufolge bilden arbeitswissenschaftliche Konzepte de facto einen integralen Bestandteil des Modells. Dies lässt den Schluss zu, dass das EFQM-Modell in seiner Funktion als Analyseinstrument potenziell geeignet ist, einen Beitrag zur Gesundheits- und Persönlichkeitsförderlichkeit der Arbeit zu leisten. Praktische Relevanz Praktische Relevanz Die Ergebnisse weisen einen Weg, der Forderung, gesundheitsbezogene Interventionen in ganzheitliche betriebliche Managementsysteme zu integrieren, gerecht zu werden. Ferner lassen die Ergebnisse den Schluss zu, dass die Synthese von Arbeitswissenschaft und Total Quality Management Synergiepotenziale freisetzt, indem die Integration praxisbezogener ar-beitspsychologischer Konzepte, wie die Betriebliche Gesundheitsförderung, in einen übergeordneten ganzheitlichen Qualitätsförderungsansatz ermöglicht wird. Autor: Annette Kluge, Kerstin Schüler und Dina Burkolter
Autoren: Christian Lange und Heiner Bubb Schlüsselwörter: Blickerfassung, Fahrerassistenz, kontaktanaloges Head-Up-Display Zusammenfassung Zu Beginn der Arbeit werden Blickkennwerte aufgeführt und erläutert, mit deren Hilfe Fahrerassistenz- und –informationssysteme beurteilt werden können. Dabei werden zunächst Kennwerte gezeigt, welche die Ablenkungswirkung von derartigen Systemen beschreiben. Bei der Bestimmung der Ablenkungswirkung anhand dieser Kennwerte ist es wichtig, dass stets alle Werte zusammen betrachtet und deren Bedeutung gegeneinander abgewogen wird, da man aufgrund der isolierten Betrachtung eines einzigen Wertes zu falschen Schlüssen kommen kann. Daraufhin werden Kennwerte beschrieben, welche Indikatoren für die Beanspruchung des Fahrers sind und die sich entsprechend einer Be- oder Entlastung des Fahrers signifikant verändern. Ein Beispiel ist die visuelle Suchaktivität, welche mit zunehmender Beanspruchung abnimmt. Im Anschluss daran wird aufgezeigt, wie die Berechnung dieser Kennwerte aus den im Versuch gewonnenen Rohdaten softwaretechnisch unterstützt werden kann. Hierzu wird im Rahmen der vorliegenden Studie das Blickerfassungssystem Dikablis verwendet. Das leichte und komfortable System ist kopfbasiert und erlaubt das Blickfeld und das linke Auge zu registrieren. Der Vorteil dieses Systems besteht darin, dass sowohl das Blickfeldvideo als auch das Augenvideo gespeichert werden, wodurch man auch nach dem Versuch vollen Zugriff auf die Blickdaten hat. Dies erlaubt beispielsweise eine Kalibrierung der Blickdaten sowie das Durchführen der Pupillenerkennung auch nach einem bereits abgeschlossenen Versuch. Dadurch lassen sich die gewonnenen Blickdaten qualitativ hochwertig aufbereiten, wodurch eine exakte Bestimmung der Kennwerte zur Ablenkungswirkung und zur Beanspruchung möglich ist. Blickzuwendungsintervalle auf Zuwendungszonen, den so genannten „Areas of Interest“ (AOI) werden mittels einer Triggerfunktionalität codiert. Hierzu drückt der Anwender immer dann eine vorab definierte Taste, wenn sich der Blick des Probanden in dem entsprechenden AOI befindet. Diese Zuwendungsintervalle werden zeitlich synchron zu dem Blickvideo in einer Textdatei gespeichert, in der sich auch die Kalibrierinformationen sowie die x- und y-Koordinaten des Pupillenmittelpunktes befinden. Diese Textdatei wird dann zur Bestimmung der Ablenkungs- und Beanspruchungskennwerte ausgelesen. Am Beispiel einer kontaktanalogen Voranzeige der Führungsgröße für das Führen des Fahrzeuges, die eine Vorschau über die Bewegungstrajektorie des Fahrzeuges gibt, wird demonstriert, wie man die aufgeführten Blickkennwerte zur Evaluierung von Fahrerassistenzsystemen verwenden kann. Dafür werden zwei Varianten dieses Assistenzsystems im statischen Fahrsimulator des Lehrstuhls für Ergonomie der TU-München implementiert. Bei der als „bar“ bezeichneten Variante, wird dem Fahrer über einen kontaktanalog auf der Straße liegenden Balken, welche immer in einer Entfernung von 1,5s mal der aktuell gefahrenen Geschwindigkeit vor dem Fahrzeug angezeigt und entsprechend dem aktuellen Lenkwinkel seitlich ausgelenkt wird, die zukünftige Bewegungstrajektorie angezeigt. Bei der Variante „tube“ werden zusätzlich die den Fahrschlauch begrenzenden seitlichen Linien des Balkens bis zur Vorderkante des eigenen Fahrzeuges verlängert. Somit wird dem Fahrer noch zusätzlich die zukünftige vom eigenen Fahrzeug überstrichene Fläche auf der Fahrbahn angezeigt. Diese beiden Varianten werden zusammen mit einer Baselinemessung, welche das normale Fahren ohne Assistenz wiedergibt, von insgesamt 27 Probanden gefahren. Während der Fahrt werden das Blick- und Fahrverhalten erfasst. Nach dem Versuch werden alle Varianten hinsichtlich der empfundenen Beanspruchung und deren Einfluss auf die Konzentration auf die Fahraufgabe beurteilt. Die Auswertung der Blickdaten zeigt einen deutlichen Einfluss der kontaktanalogen Anzeigen auf das Blickverhalten. Es ergibt sich eine signifikante Reduzierung der visuellen Suchaktivität sowie eine Verschiebung der Aufmerksamkeit hin auf die kontaktanaloge Darstellung, wenn die Probanden mit den beiden Assistenzvarianten fahren. Zählt man jedoch die Blicke auf die kontaktanaloge Anzeige zu den verkehrsrelevanten Straßenblicken, führen beide Assistenzvarianten dazu, dass insgesamt mehr auf die Straße geblickt wird. Die Bestimmung der empfundenen Beanspruchung mittels des NASA TLX Fragebogens ergibt, dass keine der beiden Assistenzvarianten einen Einfluss auf diesen Kennwert hat. Die Frage nach der Konzentration auf die Fahraufgabe zeigt, dass sich die Probanden offensichtlich durch die zusätzlichen Anzeigeninhalte bei der Variante „tube“ vom Verkehrsgeschehen abgelenkt fühlen. Dies impliziert, dass kontaktanaloge Anzeige so reduziert wie möglich zu gestalten sind. Zudem zeigt eine Auswertung der Fahrleistungsmaße, dass beide kontaktanalogen Anzeigen einen positiven Einfluss auf die Spurhaltegüte haben, jedoch die gefahrene Geschwindigkeit nicht beeinflussen. Im Ausblick wird abschließend diskutiert, wie derartige kontaktanalogen Anzeigen hinsichtlich des Wahrnehmungsphänomens der Inattentional Blindness abgesichert werden können. Bei diesem Phänomen hat der Fahrer seinen Blick zwar auf die Straße gerichtet, seine Aufmerksamkeit ist jedoch durch die kontaktanaloge Anzeige so gebunden, dass er wichtige Veränderungen in der Verkehrsszene, wie beispielsweise ein schlagartig bremsendes, vorausfahrendes Fahrzeug, nicht wahrnimmt. Praktische Relevanz Es wird eine Methode vorgestellt, die es erlaubt, Fahrerassistenzsysteme mit Hilfe der Blickerfassungstechnik zu evaluieren. Ferner werden mit dieser Methode statistisch abgesicherte, arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse für eine kontaktanaloge Ausgabe eines Fahrerassistenzsystems erarbeitet und vorgestellt.
Autoren: Gerhard Rinkenauer und Marc Grosjean Schlüsselwörter: Fokussierte Aufmerksamkeit, Flankierreiz-Kompatibilitätseffekt, Aufmerksamkeitsverteilung, Gestaltung von 3D Schnittstellen Zusammenfassung Nahezu alle Aufmerksamkeitstheorien nehmen an, dass visuell-räumliche Aufmerksamkeit als eine Art Fenster innerhalb des Gesichtsfelds beschrieben werden kann. Eine zentrale Fragestellung ist dabei, wie die Größe des Aufmerksamkeitsfensters mit der Selektion von visueller Information innerhalb einer einzelnen Fixation zusammenhängt. Das Aufmerksamkeitsfenster wird hierbei oft als eine Art Scheinwerfer beschrieben und es wird angenommen, dass Reize, die sich im Lichtkegel dieses Scheinwerfers befinden, bevorzugt verarbeitet werden. Darüber hinaus wird angenommen, dass die Größe des Aufmerksamkeitsfensters je nach Anforderungen variiert werden kann. Die Ausdehnung des visuellen Aufmerksamkeitsfensters bei kurzen Fixationsdauern spielt eine wichtige Rolle bei angewandten Fragestellungen. Zum Beispiel baut das Konzept des „useful field of view“ auf dieser Annahme auf und es gibt starke Evidenz dafür, dass die Performanz bei der Mensch-Maschine-Interaktion (z. B. Unfallrisiko beim Autofahren) mit der Größe des Aufmerksamkeitsfensters zusammenhängt. Erstaunlicherweise ist trotz der immensen Forschung zu Aufmerksamkeitsphänomenen fast ausschließlich die frontale Ebene zur Sehachse untersucht worden (z. B. Bildschirmebene), kaum jedoch die Aufmerksamkeit in der Tiefe und somit im 3D Raum. Neuere Untersuchungen sprechen dafür, dass es Unterschiede in der Zuweisung von Aufmerksamkeit in 2D und 3D Umgebungen gibt. Ziel der vorliegenden Studie war daher, die Ausdehnung des Aufmerksamkeitsfensters in die Tiefe zu ermitteln. Hierzu wurde das sogenannte Flankierreiz-Paradigma verwendet. In der typischen Ausführung dieses Paradigmas in der 2D Ebene besteht die Reizkonfiguration aus einem Zielreiz, neben dem seitlich Flankierreize angeordnet sind. Dabei lautet die Instruktion beispielsweise, die linke Taste zu drücken, wenn der zentrale Reiz ein X ist, und die rechte Taste zu drücken, wenn der zentrale Reiz ein O ist. In kompatiblen Durchgängen sind Zielreiz und Flankierreiz identisch (z. B. XXX), in inkompatiblen Durchgängen sind Zielreiz und Flankierreiz nicht identisch (z. B. OXO). Man findet, dass die Reaktionszeiten (RT) bei inkompatiblen (RTinkomp) Durchgängen länger sind als in den kompatiblen (RTkomp). Dieser Reaktionszeitunterschied wird als „Flanker Compatibility Effekt“ (FCE = RTinkomp – RTkomp) bezeichnet. Der FCE ist typischerweise hoch, wenn die Flankierreize nahe am Zielreiz angeordnet sind, nimmt graduell mit zunehmender seitlicher Distanz (Exzentrizität) der Flankierreize ab, und verschwindet ganz, wenn die Flankierreize außerhalb des Aufmerksamkeitsfensters präsentiert werden. Somit kann der FCE als ein Indikator für räumliche visuelle Aufmerksamkeit gesehen werden, mit dessen Hilfe die Weite des Aufmerksamkeitsfensters abgetastet werden kann. Um die Tiefenausdehnung des Aufmerksamkeitsfensters beurteilen zu können wurde in unserer Untersuchung zusätzlich zur Exzentrizität auch die relative Tiefe der Flankierreize zum Zielreiz manipuliert. Hierzu wurden mit Hilfe eines halbdurchlässigen Spiegels zwei Bildschirmebenen in unterschiedlichen Tiefen (185 cm und 222 cm) deckungsgleich dargestellt. Durch diesen Aufbau war es möglich Reizkonfigurationen zu erzeugen, in denen die Flankierreize auf einer Ebene vor oder hinter dem Zielreiz oder auf der gleichen Ebene wie der Zielreiz präsentiert wurden. Die Sehwinkel der Reize wurden dabei konstant gehalten und die Tiefenebene des Zielreizes wurde zu Beginn eines Durchgangs durch einen Fixationsreiz angezeigt. Aus den erhobenen Reaktionszeitdaten wurden die FCEs für die jeweiligen Exzentrizitäten und relativen Tiefen der Flankierreize bestimmt. Zur besseren Visualisierung der Aufmerksamkeitsverteilung wurden die FCEs normalisiert als Funktion von Exzentrizität und relativer Tiefe als Konturplots dargestellt. Es wurden zusätzliche Analysen für schnelle und langsame Reaktionen durchgeführt um beurteilen zu können, inwieweit sich die Aufmerksamkeitsverteilung über die Zeit verändert. Insgesamt sprechen unsere Befunde dafür, dass die Verteilung der Aufmerksamkeit sowohl in der Ebene als auch in der Tiefe begrenzt ist. In unserer Studie zeigt sich dabei, dass in einem engen Bereich um die Tiefenachse eine Art Aufmerksamkeitstunnel entsteht, in dem die Aufmerksamkeit über den gemessenen Tiefenbereich konstant verteilt ist. Darüber hinaus zeigte sich, dass die Aufmerksamkeitsverteilung bei schnellen Reaktionen hinter dem Zielreiz breiter ist als vor dem Zielreiz. Für langsame Reaktionen hingegen manifestiert sich eher eine symmetrische Aufmerksamkeitsverteilung. Diese Befunde könnten dafür sprechen, dass das Aufmerksamkeitssystem eine bestimmte Zeit benötigt, um auf einen Reiz in der Tiefe zu fokussieren und dass der Aufmerksamkeitsfokus über die Zeit von einer beobachter- zu einer objektzentrierten Ausrichtung wechselt. Dieses Phänomen bedarf jedoch noch weiterer Untersuchungen. Praktische Relevanz Die Befunde dieser Studie sind von praktischer Relevanz für die Gestaltung von 3D Anzeigen bei denen die angezeigten Informationen innerhalb einer einzelnen Fixation erfasst werden können, so wie es häufig bei der Überwachung von Anzeigen im Luft- und Bodenverkehr erforderlich ist. Die hier verwendete Methode scheint uns vor allem für die Gestaltung von 3D Inhalten beispielsweise bei stereoskopischen Head-Up-Displays geeignet zu sein. Die Bestimmung der Aufmerksamkeitsverteilung in der Tiefe könnte dabei helfen, die optimalen Positionen für Anzeigeinhalte um die Tiefenachse zu bestimmen, so dass das Risiko von Interferenzen zwischen unterschiedlichen Informationen minimiert werden kann.
Grenzen der CCD-Miniaturisierung Autoren: Nicolas Rohner und Roman Boutellier Schlüsselwörter: Miniaturisierung, Optik, CCD, Fotographie, Technologiegeschwindigkeit, Technologiemanagement Zusammenfassung In der heutigen Fotographie ist der CCD-Sensor die dominante Technologie für die Bildaufzeichnung. Die großen Fortschritte der Miniaturisierung in der Vergangenheit führten zu diesem Erfolg. Bei den Kompaktkameras, welche mit über 120 Millionen verkauften Einheiten 2007 das größte Marktsegment bilden, zeigt sich jedoch ein technisches Dilemma. Einerseits hat die Bildqualität der aktuellen Kameras bereits ein so hohes Niveau erreicht, dass weitere Fortschritte für die Kunden praktisch keinen Vorteil mehr bringen. Andererseits zeigt die Erfahrung, dass die Pixelgröße der Kameras nicht unter 3 μm fallen sollte, da sonst Nebeneffekte der Miniaturisierung die Bildqualität stören. Die durchschnittliche Größe der Pixel fiel jedoch bereits 2003 unter diese Grenze, was dazu führte, dass einige neue Modelle eine schlechtere Bildqualität aufweisen, als ihre Vorgänger. Die Probleme der Abbildungsqualität haben zwei Hauptursachen: Die einzelnen Pixel auf den CCDs sind mittlerweile derart klein, dass zu wenig Licht auf ein einzelnes Pixelelement fällt. Die einzelnen Pixel beginnen ein digitales Verhalten zu zeigen. Entweder registrieren diese ein einfallendes Photon oder nicht, Farbnuancen werden wenig differenziert erfasst. Zusätzlich verhindern Beugungseffekte weitere Verbesserungen der Abbildungsqualität. Das durch das Objektiv eintretende Licht wird abgelenkt, anstelle eines Punktes erzeugt jeder Lichtstrahl eine Scheibe, die Airy-Disk. Je größer die verwendete Blende bei der Bildaufnahme, umso größer wird diese Airy-Disk. Die eintretenden Bildinformationen enthalten so oft bereits weniger Bilddetails, als dies die CCDs aufzeichnen könnten. Bei aktuellen Spiegelrefl exkameras tritt dieser Effekt ab Blende 9 und bei Kompaktkameras bereits ab Blende 3 auf. Die CCD-Sensoren stoßen an physikalische Grenzen. Linsen mit größeren Durchmessern würden dieses Problem verbessern, jedoch lassen sich diese oft nicht in die kleinen Geräte integrieren. Diese Phänomene sind bereits seit einiger Zeit bekannt, jedoch zeigt eine Analyse der technischen Merkmale von über 1000 Digitalkameras seit 1996, dass es sich hierbei um ein industrieweites Problem handelt. Im Gegensatz zu den Kompaktkameras sind die Spiegelreflexkameras noch weniger von diesen Effekten betroffen. Einerseits, weil qualitativ hochwertigere Objektive verwendet werden und andererseits, weil die Miniaturisierung weniger weit fortgeschritten ist. Die Objektive weisen größere Durchmesser auf und die CCD-Fläche ist um ein Vielfaches größer, als bei den Kompaktkameras. Die beiden Marktsegmente, Kompaktkameras für den Massenmarkt und Spiegelreflexkameras für anspruchsvolle Fotographen befi nden sich in unterschiedlichen Stadien. Während im professionellen Umfeld die technische Entwicklung fortschreitet und die Anforderungen der Fotographen immer besser erfüllt werden, sind bei den Kompaktkameras physikalische Grenzen vermehrt leistungsbeschränkend. Zusätzlich besteht nur in wenigen Situationen ein Bedarf nach mehr Auflösung und besserer Abbildungsqualität. Zudem arbeiten die Hersteller von Mobiltelefonen daran ihre Kameramodule stetig zu verbessern und verkleinern so den Abstand zu den Kompaktkameras laufend. Das Segment für die Kompaktkameras kommt so von zwei Seiten unter Druck und wird sich in Zukunft wohl verkleinern. Praktische Relevanz Die Produktergonomie sucht einen Kompromiss zwischen den Fähigkeiten der Menschen und deren Bedürfnissen. Dies ist für die Vermarktung von Produkten von zentraler Bedeutung. Das Marketing kann menschliche Bedürfnisse teilweise beeinflussen, was sich auch negativ auswirken kann, wenn wie im Fall von Digitalkameras Erwartungen geweckt werden, die technisch nicht machbar sind. Der technologische Fortschritt hat seine Grenzen erreicht. Für Hersteller und Kunden ergeben sich daraus unterschiedliche Konsequenzen. Während Hersteller angewiesen sind ihren Fokus im Marketing und in der Entwicklung zu überdenken, stellt sich für die Kunden die Frage ob die Anzahl Pixel als Qualitätsmaß nicht längst überholt ist.
Autoren: Claudia Christina von Bastian, Adrian Schwaninger und Stefan Michel Schlüsselwörter: Luftfahrtsicherheit, Darstellungstechnologien, Mensch-Maschine Interaktion, Objekterkennung, Visuelle Psychophysik, Röntgenbildaufnahme Zusammenfassung In der Luftfahrtsicherheit ist das Röntgen von Gepäckstücken bei der Sicherheitskontrolle eines der Hauptelemente zur Prävention terroristischer Anschläge. Es wurden große Investitionen in neue Technologien getätigt, wie zum Beispiel in Multi-View Röntgensysteme. Dabei handelt es sich um Röntgengeräte, die aufgrund multipler Röntgenstrahlen mehrere Röntgenbilder von einem Gepäckstück erstellen, sodass die Mitarbeitenden der Sicherheitskontrolle von diesem Gepäckstück mehrere Ansichten betrachten können. Die Erkennung verbotener Gegenstände in Röntgenbildern von Gepäckstücken hängt einerseits von wissensbasierten, andererseits von bildbasierten Faktoren ab (Hardmeier et al. 2005; Schwaninger et al. 2004). Erstere beziehen sich auf das Wissen, welche Gegenstände verboten sind und wie diese im Röntgenbild aussehen. Bildbasierte Faktoren hingegen haben einen Einfluss auf die Schwierigkeit eines Bildes. Schwaninger (2003) beschrieb drei bildbasierte Faktoren: Rotation des verbotenen Gegenstands, Verdeckung des verbotenen Gegenstands durch andere Objekte, und die Transparenz der des Gepäckstücks. In der vorliegenden Studie untersuchten wir den Nutzen der Multi-View Systeme im Vergleich zu den heutzutage üblichen Single-View Röntgensystemen. Dazu führten wir ein Experiment durch, um den Einfluss multipler Ansichten auf die Erkennungsleistung sowie die Reaktionszeit zu messen. Damit der Einfluss wissensbasierter Faktoren ausgeschlossen werden konnte, führten wir das Experiment mit 32 Laien durch und präsentierten nur Schusswaffen und Messer, da deren Erscheinungsbild relativ alltäglich ist. Unsere Hypothese lautete, dass bei der Verwendung von Multi-View Systemen die Erkennungsleistung vor allem bei schwierigen Bedingungen steigt, das heißt wenn der verbotene Gegenstand rotiert ist oder stark durch andere Objekte verdeckt wird, da eine zweite Ansicht des Gepäckstücks den Einfluss dieser beiden bildbasierten Faktoren vermindern sollte. Darüber hinaus nahmen wir an, dass die Reaktionszeiten bei Multi-View Bildern länger sind als bei Single-View Bildern, da die visuelle Suche für multiple Ansichten des Gepäckstücks mehr Zeit in Anspruch nimmt als für nur eine Ansicht. Für unser Experiment konstruierten wir einen aus Röntgenbildern von Gepäckstücken bestehenden Test. Die Hälfte der insgesamt 128 Gepäckstücke hatte eine niedrige, die andere Hälfte eine hohe Transparenz. Jedes Gepäckstück wurde zweimal verwendet, einmal in Kombination mit einem verbotenen Gegenstand (Schusswaffen und Messer) und einmal ohne. Darüber hinaus variierten wir die Rotation und Verdeckung des verbotenen Gegenstands. Alle Bilder wurden jeweils einmal als Single-View und einmal als Multi-View Trial präsentiert. Insgesamt wurden den Teilnehmenden 512 Bilder präsentiert: 16 (verbotene Gegenstände) * 2³ (bildbasierte Faktoren Rotation, Verdeckung, Transparenz) * 2 (Single- bzw. Multi-View) * 2 (Gepäckstück mit/ohne verbotenen Gegenstand). Bei jedem Bild mussten die Teilnehmenden entscheiden, ob das Gepäckstück einen verbotenen Gegenstand enthielt oder nicht. Die Resultate bestätigten unsere Hypothesen. Wir konnten zeigen, dass der verbotene Gegenstand eher mit einem Multi - View Röntgensystem als mit einem herkömmlichen System entdeckt wird, falls er auf eine non-kanonische Weise rotiert oder von anderen im Gepäckstück enthaltenen Objekten verdeckt wird. Darüber hinaus weisen die Ergebnisse darauf hin, dass die Reaktionszeiten für das Lösen der Aufgabe bei Multi-View Röntgenbildern länger als diejenigen bei Single- View Röntgenbildern sind. Ein spezifisches Training für die Mitarbeitenden der Sicherheitskontrolle könnte die Vorteile der Multi-View Röntgensysteme mehren und die Nachteile reduzieren. Praktische Relevanz Die zunehmende globale Mobilität wie auch verschärfte Sicherheitsbestimmungen tragen wesentlich zur Erhöhung der Belastung des Personals bei Sicherheitskontrollen am Flughafen bei. Neue Röntgengeräte ermöglichen eine Mehrfachansicht der zu untersuchenden Gepäckstücke, um dadurch die Erkennung gefährlicher Gegenstände zu erleichtern. Die Erkennungsleistung und somit die Beanspruchung hängt von der Anzahl der Ansichten ab. Eine Belastungsminderung lässt sich durch Trainieren der Wiedererkennungsfähigkeit für gefährliche Gegenstände erreichen.
Komplexitätsbewertung visueller Suchprozesse bei der Mensch-Computer-Interaktion Autoren: Christopher Schlick, Carsten Winkelholz, Florian Motz, Sönke Duckwitz and Morten Grandt Schlüsselwörter: Visuelle Suche, Informationstheorie, Komplexität, Navigationsinformationssysteme Zusammenfassung Im vorliegenden Beitrag wird eine mathematisch formulierte Theorie zur Komplexitätsbewertung der Mensch-Computer- Interaktion eingeführt, anhand eines didaktisch aufbereiteten Beispiels zur Texteingabe bei Mobiltelefonen erläutert und auf der Grundlage von Laborexperimenten zur visuellen Suche mit elektronischen Karten empirisch validiert. Die Komplexitätstheorie stützt sich auf die wegweisenden Arbeiten von Grassberger auf dem Gebiet der theoretischen Physik, die bislang in der Arbeitswissenschaft wenig bekannt sind. Aufbauend auf der Theorie lässt sich ein Komplexitätsmaß der Mensch-Computer-Interaktion defi nieren, die sog. effektive Maßkomplexität (Effective Measure Complexity, kurz EMC), die im Vergleich zu den bisher in der arbeitswissenschaftlichen Literatur genannten Ansätzen drei wesentliche Vorteile besitzt: Erstens basiert EMC ausschließlich auf informationstheoretischen Größen wie dynamischen Entropien, die konzeptionell eng mit dem menschlichen Verständnis von Komplexität verbunden sind und sich nicht lediglich auf die Zufälligkeit bzw. Vorhersagbarkeit von Interaktionsprozessen stützen. Zweitens ist das Komplexitätsmaß unabhängig von expliziten Modellen der Mensch-Rechner-Interaktion definiert und kann in vielen Fällen numerisch effizient auf der Grundlage von vergleichsweise wenigen Datenpunkten geschätzt werden. Drittens sind für diese Schätzungen lediglich Sequenzen von beobachtbaren Interaktionsereignissen notwendig, so dass auf subjektive Komplexitätsbeurteilungen und –bewertungen im Prinzip verzichtet werden kann. Die externe Validität des neuen Komplexitätsmaßes wurde anhand von Laborexperimenten zur visuellen Suche von Schiffssymbolen auf elektronischen Karten untersucht. Solche Karten sind beispielsweise ein wichtiger Bestandteil moderner Navigationsinformationssysteme von Handelsschiffen. An den Experimenten nahmen 30 Versuchspersonen teil. Die Experimente wurden in Kooperation mit der Memorial University of St. John’s, Kanada, durchgeführt. Dort stand ein qualitativ hochwertiger Brückensimulator zur Verfügung, der typische Gier-, Nick- und Rollbewegungen eines Schiffes auf hoher See zu simulieren vermochte. Es wurden sowohl die Bewegung des Computerarbeitsplatzes (keine Bewegung gegenüber typischem Seegang) als auch die Beleuchtungsstärke bei der visuellen Suche (Tageslichtbedingungen mit 800 Lux gegenüber Zwielichtbedingungen mit lediglich 30 Lux) systematisch variiert und die Komplexitätseffekte analysiert. Die Ergebnisse belegen, dass die Komplexität der visuellen Suche bei Seegang signifikant geringer ist als bei spiegelglatter See ohne externe Gier-, Nick- und Rollkräfte. Weiterhin wurden signifikant geringere Komplexitätswerte erhoben, wenn die Beleuchtungsstärke von Tageslichtbedingungen auf Zwielicht verringert wird. Die Ergebnisse deuten somit auf eine externe Validität des neuen Komplexitätsmaßes hin, die auch durch weitere Experimente der Autoren im selben Gegenstandsbereich gestützt wird. Praktische Relevanz Die bislang in der Arbeitswissenschaft nur wenig verbreitete Grassberger-Komplexität ist ein informationstheoretischer Ansatz, der bei der Software-ergonomischen Gestaltung und Bewertung von Mensch-Computer-Schnittstellen nützlich ist. Beispielsweise kann sie verwendet werden, um die Informationseingabe und –ausgabe in frühen Phasen der ergonomischen Produktentwicklung zu analysieren und unnötige informatorische Belastungen des Arbeitsgedächtnisses des Benutzers zu vermeiden. Weiterhin lässt sich mit ihrer Hilfe die mentale Beanspruchung bei der Mensch- Computer-Interaktion ergonomisch-experimentell bewerten. Somit stellt die Grassberger-Komplexität eine interessante Ergänzung von psychophysiologischen und subjektiven Beanspruchungs – Bewertungs - Methoden für die Labor- und Feldforschung dar.
Wechselwirkungen im Augen – Nacken/Schulter Bereich bei anstrengender Naharbeit Autor: Hans O. Richter Schlüsselwörter: Akkommodation, Asthenopie, Konvergenz, Muskuloskeletal, Schmerz, Arbeitsplatz Zusammenfassung Über 60 Millionen Menschen arbeiten in der Europäischen Union heute am Computer. Viele von ihnen leiden im Zusammenhang mit dem Arbeiten am Computerbildschirm unter visuellen Problemen, wie beispielsweise einer Ermüdung der Augen, Augenschmerzen, einem Gefühl wie Druck in den Augen, Trockenheit usw., die häufig mit Kopfschmerzen und Schmerzen im Nacken- und/oder Schulterbereich einhergehen. Die Ermittlung der Ursachen für diese arbeitsplatzbezogenen Probleme gehört zu den Hauptaufgaben internationaler Organisationen, wie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das Fixieren eines Sehobjektes erfordert die Koordination verschiedener Nerven- und Muskelgruppen im Auge sowie im Nacken- und Schulterbereich. Arbeiten im Nahbereich können dabei zu einem erhöhten Ziliarmuskeltonus und/oder einer abnehmenden Konvergenzfunktion führen. Eine starre Akkommodation bzw. Vergenz kann sich in einer eingeschränkten Fähigkeit zum Fokussieren in der Nähe widerspiegeln, woraus eine reduzierte Amplitude der Akkommodation resultiert. Werden freiwillig Akkomodations oder Vergenzübungen durchgeführt, kann trotz erheblicher Ermüdung und Belastung der Augen ein funktionierendes binokulares Sehen aufrechterhalten werden. Die aus der Akkommodation und Vergenz resultierende Überbeanspruchung kann jedoch zu wachsenden Tonusstörungen und/oder verringerten Belastungsänderungen in der Hals-, Schulterund oberen Rückenmuskulatur führen, da zum Einstellen des Blicks ein universelles Programm der Auge-Kopf-Nacken- Schulter-Motorik in Gang gesetzt wird. Der Gegenstand dieser Übersichtsarbeit besteht darin, Auswirkungen auf die Gesundheit aufzuzeigen, die durch visuell-muskuloskeletale Interaktionen im Rahmen anstrengender Arbeiten im Nahbereich verursacht sein können. Der althergebrachte Ausspruch „die Augen steuern den Körper“ hat in den vergangenen Jahren angesichts der neu entdeckten Mechanismen, die das visuelle und das muskuloskeletale System miteinander verbinden, weiter an Relevanz gewonnen. Deshalb scheint eine systematische Überprüfung der Umstände, unter denen eine Veränderung der Akkommodations- und Vergenz- Belastung tatsächlich zu Veränderungen des physiologischen Niveaus des muskuloskeletalen Tonus führen und umgekehrt, zeitlich angemessen. Das grundlegende Ziel dieses Beitrags besteht jedoch lediglich darin, die Aufmerksamkeit auf diesen Sachverhalt zu lenken und die Basis für weitere Diskussionen und eine eingehende Untersuchung zu legen. Praktische Relevanz Teilweise können Beschwerden im Hals- und Schulterbereich auf visuell vermittelte Hirnstammreflexe im muskuloskeletalen zurückgeführt werden. Bei diesem Mechanismus könnten die Akkommodation und die Vergenz, die eine anhaltende Aufmerksamkeit erfordern, eine zentrale Rolle spielen. Demnach könnte eine Reduktion der notwendigen Akkommodation und Vergenz und/oder des Grads an visueller Aufmerksamkeit, die für eine Arbeitsaufgabe notwendig ist, eine Maßnahme der Vorbeugung einiger muskuloskeletalen Beschwerden oder gar als Heilung dieser darstellen. Die visuelle Ergonomie des „inneren Auges“, die noch nicht allgemein üblich ist, könnte sich als neue und nützliche Praxis am Arbeitsplatz erweisen. Derzeit besteht ein starkes Interesse an den Augen- bzw. Nacken- und Schulterfunktionen und ihren gegenseitigen Wechselwirkungen. Die Einheit dieser interdisziplinären Wissenschaft wird bereits als vollendete Tatsache anerkannt. Allerdings kann das Wachstum des Kenntnisstands in diesen Bereichen bisher nicht mit den enormen Fortschritten in der Neurophysiologie, der Neurobiologie und der visuellen Neurowissenschaft Schritt halten. Dies rechtfertigt den akademischen Lehrplan derart zu erweitern, dass die Praxiserfahrung stärker einbezogen wird und dabei die interdisziplinäre Interaktion gefördert wird. In Bezug auf die Bedeutung der visuellen und muskuloskeletalen Ergonomie für die Beanspruchung bei der modernen Bürotätigkeit, besteht vollkommener (Piccoli, 2003) Konsens. Wird bei Design und Beurteilung von Arbeitsplätzen sowohl den visuellen als auch den muskuloskeletalen Aspekten volles und ebenbürtiges Gewicht verliehen, resultiert dies in einer Erhöhung der Lebensqualität jedes einzelnen Arbeitnehmers und in einer Produktivitäts- und Gewinnsteigerung für den Arbeitgeber.
Feldstudie zur Untersuchung der Eignung verschiedener Gleitsichtgläser Autoren: Marino Menozzi, Esther Bergande and Philipp Sury Schlüsselwörter: Gleitsichtglas, Sehen, Presbyopie, Gleitsichtglasanpassung Zusammenfassung Presbyopie bezeichnet die mit dem Alter abnehmende Fähigkeit, nahe gelegene Objekte scharf zu sehen. Der Effekt lässt sich durch Verwendung einer Brille für das Nahsehen kompensieren. Dank einer in der Vertikalen, kontinuierlich variierenden Stärke, ermöglicht das Gleitsichtglas durch Neigung des Blickes die Wahl einer optimalen, auf die Sehdistanz ausgerichteten Brechkraft. Durch den vertikalen Brechkraftgradienten entstehen ungewollte, astigmatische Fehler im Glas, welche die Sehleistung mindern. Auf dem Markt sind Gleitsichtgläser unterschiedlichen Designs erhältlich. Die Designs unterscheiden sich unter anderem im Verlauf des vertikalen Brechkraftgradienten als auch in der Verteilung der astigmatischen Fehler im Glas. In einer Feldstudie mit 105 Presbyopen wurden vier verschiedene Gleitsichtglasdesigns mittels Trageversuch auf ihre Verträglichkeit hin untersucht. Jede Versuchsperson trug jedes Glasdesign drei Wochen lang. Die Reihenfolge der getragenen Gläser wurde quasi randomisiert und über die Versuchspersonen balanciert. Im Sinne einer Blindstudie wurden die Versuchspersonen nicht über die getragenen Gläser informiert. Die Anpassung der Gläser erfolgte nach den praxisgängigen Verfahren (Refraktion, Zentrierung, Additionsbestimmung etc.) und berücksichtigte designspezifische Vorschriften. Zur Beurteilung der vier Gläser dienten sowohl objektive Parameter der Sehleistung, wie die Sehschärfe für Nah und für Fern, als auch eine mittels Fragebogen durchgeführte subjektive Bewertung. Um den zeitlichen Verlauf der subjektiven Bewertung zu erfassen, wurde der Fragebogen 15 Minuten, 1 Stunde, 3 Tage und 3 Wochen nach dem ersten Tragen der Brille ausgefüllt. Am Ende des Trageversuches rangierten die Versuchspersonen die vier Gläser gemäß einer allumfassenden, persönlichen Präferenz. Statistisch signifikante Unterschiede in der Verträglichkeit der vier untersuchten Designs konnten nachgewiesen werden. Die Datenanalyse zeigt, dass objektive und subjektive Bewertungsgrößen nicht im selben Masse variieren. Zum Teil mag hierfür die als grob einzustufende Auflösung der praxisgängigen Methoden verantwortlich sein, die zur Erhebung objektiver Parameter der Sehleistung verantwortlich verwendet werden. Das Ergebnis könnte darauf hindeuten, dass die subjektive Beurteilung ein umfassenderes Bild der Glasverträglichkeit wiedergibt, als dies mit den gewählten, objektiven Messgrößen möglich ist. Wie auch anderweitig berichtet, besteht demnach ein Forschungsdefizit bei der Objektivierung des subjektiven Eindruckes über die Güte von Gleitsichtgläsern. Die Schließung dieser Wissenslücke ist für eine Optimierung des Designs von Gleitsichtgläsern von Vorteil. Das in unserer Studie am besten abschneidende Glas berücksichtigt individuelle Bedürfnisse und Gewohnheiten des Trägers. Bei diesem Glas wird das optimale Design gemäß der individuellen Gewichtung der Sehbedürfnisse in verschiedenen Blickfeldern ermittelt. Ein PC Programm visualisiert das Resultat der individuellen Gewichtung, sodass mit einem interaktiven Vorgehen die Gewichtung optimal den individuellen Sehbedürfnissen angepasst werden kann. Praktische Relevanz Die Ergebnisse der Studie heben die Bedeutung der Berücksichtigung individueller Präferenzen bei der Wahl des Gleitsichtglases hervor. Für eine erfolgreiche Abschätzung der Verträglichkeit von Gleitsichtgläsern reicht die isolierte Betrachtung von Basisfunktionen des Sehens nicht aus.
Eine explorative Studie zu Augenbewegungen im Büroalltag Autoren: Philipp Sury, Sylvia Hubalek and Christoph Schierz Schlüsselwörter: Licht, Büroumgebung, Augenbewegungen Zusammenfassung Die Forschung basierend auf Eye Tracking Daten wird immer beliebter mit der Verfügbarkeit einfach zu bedienender und portabler Systeme. Es gibt eine Fülle von Eye Tracking Studien im Zusammenhang mit der Arbeit an Bildschirmen, aber es wurde noch nie untersucht, wo Büroarbeitende während ihrer Arbeit im normalen Alltag überall hingucken. Seit geraumer Zeit sind die Auswirkungen des Tageslichts in der Behandlung affektiver Störungen bekannt und es gibt verschiedene DIN Normen, welche die Beleuchtung von Büroarbeitsplätzen regulieren. Neueste Ergebnisse weisen darauf hin, dass wechselnde Beleuchtungsverhältnisse das Aktivitätsniveau von Büroarbeitenden erhöht. Das Ziel dieser Studie ist es, die Blickbewegungen von Büroarbeitenden zu untersuchen in Abhängigkeit der aktuellen Beleuchtungsverhältnisse. Da in dieser Studie Büroarbeitsplätze mit PC-Arbeit untersucht wurden, war es relativ offensichtlich, dass der Blick der Büroarbeitenden die meiste Zeit auf dem PC-Monitor ruht. Uns interessierte aber die Frage, wo die Büroarbeitenden hingucken, wenn sie eine kurze Pause von der Bildschirmarbeit machen, etwa um nachzudenken oder zu telefonieren. Würden Sie beispielsweise den Kopf in den Nacken legen und die Decke anstarren, zum Fenster hinausschauen oder das Bild an der gegenüberliegenden Wand mustern? Diese Fragen sollten in einer explorativen Studie geklärt werden. Zu diesem Zweck wurden 24 Büroarbeitende während ihrem normalen Arbeitsalltag mit einem Eye Tracker ausgestattet, der es ihnen erlaubte, ungehindert ihrer normalen Arbeit nachzugehen. Eye Tracking Daten wurden pro Versuchsperson 4 mal während einer Stunde aufgezeichnet zu 4 verschiedenen Beleuchtungsbedingungen: 1.Nachts mit heruntergelassenen Rollläden 2.Nachts mit eingezogenen Rollläden 3.Tags mit heruntergelassenen Rollläden 4.Tags mit eingezogenen Rollläden Mit Ausnahme des Eye Trackers und der Manipulation der Rollläden wurde nichts unternommen, was sich vom normalen Arbeitstag einer Versuchsperson unterscheiden würde. Mitarbeitende wurden mit Schildern auf die Studie aufmerksam gemacht, damit sie mit der Versuchsperson natürlich interagierten und sich ebenfalls wie an einem normalen Arbeitstag verhielten. Alle Versuchspersonen waren zwischen 18 und 45 Jahren alt, damit sie einerseits mündig waren und andererseits Auswirkungen einer Presbyopie vermieden werden konnten. Alle Büroräume hatten sowohl natürliche wie auch künstliche Lichtquellen, die Fenster zeigten in alle Himmelsrichtungen. Ein typisches Büro ist in Bild 2 zu sehen. Bei dem so erhaltenen Videomaterial wurden sämtliche Blickwechsel zwischen 10 verschiedenen Zonen von Interesse kodiert (s. Legende Bild 2). Die Anzahl Male, in denen der Blick in einer bestimmten Zone ruhte, wurde anschließend für alle weiteren Berechnungen verwendet. Deskriptive Resultate können in Tabelle 1 abgelesen werden. In einer One-Way ANOVA mit REGWQ post hoc Test wurde ein signifikanter Effekt der Beleuchtungsbedingung auf den Blick in die Zone „Fenster“ registriert. Tagsüber schauten die Versuchspersonen signifikant öfter auf das Fenster als nachts, sogar wenn die Rollläden heruntergelassen waren (s. Bild 3). Für alle anderen Zonen wurden keine signifikanten Effekte gefunden. Dieses Resultat bestätigt die Wichtigkeit des Fensters mit Tageslicht an Arbeitsplätzen, denn wenn die Angestellten die Möglichkeit haben, durch ein Fenster zu schauen, nehmen sie diese gehäuft wahr. Sogar nachts mit heruntergelassenen Rollläden, also dann, wenn das Fenster am unattraktivsten ist, hat es eine ähnliche Attraktivität als Blickfang wie z.B. Bilder und andere Ornamente, was auf eine besondere Wichtigkeit des Fensters als Ruheort für den Blick hinweist. Die weitere Arbeit wird eine detailliertere Auswertung der Zonen in Zusammenhang mit Arbeitstätigkeiten und verschiedenen Leuchtdichten beinhalten. Praktische Relevanz Die Resultate dieser Studie können als weiteres Puzzle Teil zur bereits bestehenden DIN EN ISO 9241-6:1999 und DIN EN 12464-1:2003 Norm betrachtet werden zur weiteren Optimierung der Lichtgestaltung von Büroarbeitsplätzen.
Schallschutz bei Musikern gemäß der neuen EU-Richtlinie 2003/10/EG Autor: Helmut V. Fuchs Schlüsselwörter: Musiker-Arbeitsplatz, Schallbelastung, Gehörschutz, Raumakustik, akustische Ergonomie, Orchestergraben Zusammenfassung Im Februar 2008 treten mit einer entsprechenden Verordnung, welche die UVV „Lärm“ aus dem Jahre 1997 ablöst, schärfere Grenzwerte für die Schallbelastung auch an Musiker- Arbeitsplätzen in Kraft. Es wird deshalb ein bereits vielfach bewährtes alternatives raumakustisches Konzept vorgeschlagen, welches den umgebenden Raum breitbandig (besonders zu den tiefen Frequenzen hin) absorbierend gestaltet. Dies schafft eine höhere akustische Transparenz, die besseres Ensemblespiel mit weniger Kraftaufwand ermöglicht und – bei entsprechend rücksichtsvoller Intonation aller Musiker und verantwortungsvollem Dirigat insbesondere während der Probenarbeit – die erforderliche Pegelminderung realisierbar macht, ohne das künstlerische Ergebnis zu schmälern. Praktische Relevanz Die neue EU-Richtlinie fordert einen strengeren Schutz auch der Ohren von Musikern an ihren Arbeitsplätzen. Mit Hilfe einer neuartigen baulichen Konditionierung der Räume zum Proben, Darbieten, Unterrichten und Üben von Musik sowie mit organisatorischen Maßnahmen können die hier herrschenden Expositionspegel zwischen 85 und 95 dB(A) um 5 bis 10 dB(A) gesenkt werden.
35 Jahre „Menschengerechte Gestaltung der Arbeit“ (MGdA) – Für eine neue Humanisierungsinitiative Autor: Manfred Schweres
Physiologische Reaktionen von Herzschlagfrequenz und Blutdruck beim
Kommissionieren in tiefer Kälte
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